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Deutschland / Welt Hapag-Lloyd rettet Börsengang mit Rabatt
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Hapag-Lloyd rettet Börsengang mit Rabatt
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00:25 02.11.2015
Hapag Llyod konnte den Börsengang durch Rabatt retten. Quelle: dpa
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Hamburg

Jetzt sollen die Papiere nur noch für 20 bis 22 Euro auf den Markt kommen, weil sich die Geldgeber zugeknöpft zeigten. Um wie geplant 265 Millionen Euro zu erlösen, werde das Wertpapier-Angebot aufgestockt, teilte Hapag-Lloyd am Freitag mit.

Hapag-Lloyd hat für seinen Börsengang – wieder einmal – einen schlechten Zeitpunkt erwischt. Wie schon bei den Versuchen 2004 und 2011 haben sich die Aussichten für die Branche eingetrübt. Eine Gewinnwarnung des größten Rivalen Maersk tat ein Übriges. Nach Angaben aus Finanzkreisen haben potenzielle Käufer der Aktien in den vergangenen Wochen in großer Zahl ihre Orders storniert. Um sie doch noch zu überzeugen, wurde die Zeichnungsfrist um eine Woche bis Dienstag verlängert. Das half jedoch nichts.

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Die Erstnotiz ist nun für den kommenden Freitag geplant. Offiziell führte die Reederei für ihre geänderten Pläne Schwankungen an den Kapitalmärkten an. Damit die mit dem Börsengang verbundene Kapitalerhöhung den geplanten Emissionserlös bringt, wird die Zahl der neuen Aktien von 11,5 Millionen auf bis zu 13,2 Millionen Stück erhöht. Die Anker-Aktionäre Kühne und die chilenische Reederei Compañía Sud Americana de Vapores (CSAV) wollen den Angaben zufolge weiterhin Aktien im Wert von rund 27 Millionen Euro zeichnen.

Der zögerliche Zugriff der Investoren trifft auch die Tui. Der einstige Mutterkonzern ist noch mit 13,9 Prozent an der Reederei beteiligt. Seit Jahren wollen die Hannoveraner ihre Beteiligung zu Geld machen, um sich ganz auf das Reisegeschäft konzentrieren zu können. Deshalb hatte die Tui ein großes Interesse am Börsengang. Da dieser jedoch kleiner ausfällt als geplant, will der Konzern nur Aktien für knapp 40 Millionen Euro verkaufen – als sogenannte Platzierungsreserve. Eine Absage des Börsengangs wäre keine Alternative gewesen, hieß es. „Den optimalen Zeitpunkt gibt es kaum“, sagte ein Konzernsprecher. „Für uns ist es wichtig, eine liquide Position zu halten, die es uns erlaubt, in Zukunft Marktchancen zu nutzen.“

Mit anderen Worten: Ist Hapag-Lloyd erst einmal an der Börse, kann man später weitere Anteile zu höheren Preisen abstoßen. Ihr Hapag-Aktienpaket muss die Tui jetzt allerdings um rund 150 Millionen Euro abwerten – es steht bisher mit 33 Euro je Aktie in den Büchern.

Von Steffen Weyer

Markt leidet unter Überkapazitäten

Zu viele Schiffe: Der Umschlag in der Containerschifffahrt wird sich nach Einschätzung der Branchendienste im nächsten Jahr um knapp 7 Prozent erhöhen. Noch etwas stärker könnte allerdings die verfügbare Tonnage wachsen, weil viele neue Schiffe die Werften verlassen. Trotz der Dauerkrise ist die Kapazität der Flotte in den vergangenen drei Jahren um 11,7 Prozent auf rund 17 Millionen Container gestiegen. Möglich sei das, weil die Linienreedereien trotz wirtschaftlicher Probleme und zurückhaltender Schiffskreditvergabe deutscher Banken auf genügend Kapital zurückgreifen können.
Insbesondere die Bestellung sehr großer Containerschiffe, die jeweils eine Kapazität von mehr als 8000 Containern haben, halte den Druck auf die Frachtraten sehr hoch, heißt es. Das verheiße auch für das kommende Jahr nichts Gutes. Hinzu komme das anhaltende Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf den Haupthandelsrouten zwischen Europa und Fernost.