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Deutschland / Welt Harte Kritik an Forderung nach Frauenquote
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Harte Kritik an Forderung nach Frauenquote
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08:49 17.08.2017
Hatte eine feste Frauenquote auch für Unternehmensvorstände ins Spiel gebracht: Familienministerin Katarina Barley (SPD).
Hatte eine feste Frauenquote auch für Unternehmensvorstände ins Spiel gebracht: Familienministerin Katarina Barley (SPD).     Quelle: epd
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Hannover

Vertreter der Wirtschaft haben empört auf die Drohung von Familienministerin Katarina Barley (SPD) reagiert, eine Frauenquote für Unternehmensvorstände einzuführen, wenn sich binnen Jahresfrist nichts am Geschlechterverhältnis in den Führungsetagen ändere. „Eine Quote für Vorstände wäre verfassungswidrig und würde einen massiven Eingriff in die unternehmerische Freiheit darstellen“, sagte Iris Plöger, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Über 80 Prozent der Vorstände börsennotierter Unternehmen bestehen aus ein bis drei Personen. Die Regulierung solcher Kleinstgremien ist unverhältnismäßig“, sagte Plöger weiter.

Lob für Conti, Bahlsen und VW

Der Spitzenverband der niedersächsischen Unternehmen (UVN) wies Barleys Forderung ebenfalls zurück: „Maßstab für die Stellenbesetzung kann nicht das Geschlecht, sondern ausschließlich die Qualifikation und die Leistung sein“, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Müller. Die Gesellschaft müsse sich vielmehr von alten Rollenbildern trennen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern.

Auch die Hannoveranerin Jasmin Arbabian-Vogel, Mitglied im Bundesvorstand des Verbandes Deutscher Unternehmerinnen (VDU), hält nichts von einer Quote. „Das greift zu stark in den operativen Bereich der Unternehmen ein“, sagte sie. Sie forderte jedoch die Wirtschaft auf, eigenständig den Anteil von Frauen in Führungspositionen auf allen Ebenen zu erhöhen. In Niedersachsen seien Konzerne wie VW, Continental und Bahlsen dabei „schon auf einem sehr guten Weg“. Die Aktivitäten der meisten Mittelständler seien hingegen verbesserungswürdig. Außerdem müssten Behörden und öffentliche Unternehmen mit gutem Beispiel vorangehen. Laut Auskunft der Landesregierung lag der Anteil der Frauen in Spitzenpositionen der Landesverwaltung 2012 bei 26,6 Prozent und 2015 bei 30,5 Prozent. 2015 hatte die Landesregierung angekündigt, diesen Wert auf 50 Prozent steigern zu wollen. Aktuelle Zahlen konnte sie gestern nicht nennen.

Familienministerin Barley hatte am Mittwoch im Interview mit dem RND beklagt, dass Frauen in Vorständen von Unternehmen immer noch deutlich unterrepräsentiert seien, und eine verpflichtende Frauenquote für Vorstände angedroht.

Keine pauschalen Regulierungen

Auch der Arbeitgeberverband BDA wies die Androhung der Familienministerin zurück. „Statt die Privatwirtschaft mit pauschalen Regulierungen zu überziehen, sollte die Politik in den Unternehmen mit öffentlicher Beteiligung die Zahl der Frauen in Führungspositionen beherzt erhöhen“, sagte ein BDA-Sprecher dem RND. „In zahlreichen Unternehmen mit öffentlicher Beteiligung ist der Anteil von Frauen in Top-Führungspositionen deutlich unter dem Durchschnitt der Privatwirtschaft.“

Es sei „klar“, das Unternehmen auch qualifizierte Frauen in Führungsfunktionen brauchten, räumte BDI-Frau Plöger ein. „Zielvorgaben sind für Unternehmen eine Chance, Veränderungsprozesse stärker anzustoßen. Die Politik muss den Unternehmen diese Chance lassen und das Gesetz zur Frauenquote wirken lassen“, forderte sie. Die von Ministerin Barley erhobene Jahresfrist sei zu kurz bemessen. „Das Gesetz gibt den Unternehmen richtigerweise eine Frist von fünf Jahren, um den Anteil der Frauen in Führungspositionen zu steigern. Erst in einem solchen Zeitraum sind nennenswerte Veränderungen zu erwarten“, sagte Plöger.

Von Andreas Niesmann/Christian Wölbert/RND