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Deutschland / Welt Harter Kampf ums Arzt-Honorar
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22:45 09.08.2012
Viel Schreibkram, zu geringes Einkommen? Die Ärzte fordern deutlich mehr Geld – die Krankenkassen wollen die Vergütung senken. Quelle: dpa
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Berlin

Das sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung, Johann-Magnus von Stackelberg, am Donnerstag in Berlin.

Die Positionen könnten kaum gegensätzlicher sein. Während die Forderung der Ärzte einer Erhöhung um 11 Prozent gleichkommt, wollen die Krankenkassen die Honorare um fast 7 Prozent kürzen. „Wir sind ein bisschen weit voneinander entfernt“, räumte von Stackelberg ein. In der kommenden Woche treffen die Verhandlungsparteien zusammen, am 30. August tagt voraussichtlich der erweiterte Bewertungsausschuss.

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Zuletzt hatten die Ärzte eine Gesamtvergütung von rund 33 Milliarden Euro erhalten. Konkret geht es bei den Verhandlungen vor allem um den sogenannten Orientierungswert – eine Art Preis, mit dem später die mit einer bestimmten Punktzahl definierten ärztlichen Leistungen bewertet werden. Im Anschluss stehen weitere Verhandlungen auf Landesebene an.

Die Krankenkassen führen ein Gutachten des Prognos-Instituts ins Feld, demzufolge die Honorare der Mediziner seit 2008 bei Weitem stärker gestiegen sind als ihr Aufwand und die erbrachten Leistungen. Zudem gebe es immer weniger Einzelpraxen – die verbliebenen Praxen hätten somit eine bessere Auslastung und geringere Kosten pro Fall, erklärte der Projektleiter der Studie, Ronny Wölbing. „Wirtschaftlichkeitsreserven gehören genauso auf den Verhandlungstisch wie Preise und Mengen“, sagte von Stackelberg.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) macht dagegen einen Inflationsausgleich und eine Kompensation für gestiegene Betriebskosten geltend. Die von den Kassen kritisierten Honorarzuwächse der letzten Jahre begründete ein KBV-Sprecher mit dem Nachholbedarf: Vor der letzten Vergütungsreform 2008 hätten die Mediziner ein Drittel der Leistungen ohne Honorar erbracht. Bei einer Preissenkung würde man wieder in einen „Hamsterradeffekt“ hineinkommen – also möglichst viele Leistungen abgerechnet.

Im Vorfeld der Auseinandersetzung wird mit harten Bandagen gekämpft. Der GKV-Spitzenverband verweist darauf, dass der Reinertrag einer Arztpraxis seit 2007 laut Prognos-Studie von 105.000 auf 134.000 Euro im Jahr gestiegen ist. Mit den Einnahmen aus der Behandlung von Privatpatienten seien es 165.000 Euro im Jahr. Dabei handele es sich um einen Überschuss, von dem bereits Aufwendungen wie Löhne für Arzthelferinnen oder Mieten abgezogen seien. „Die 130.000 niedergelassenen Ärzte gehören zu den Spitzenverdienern in der Bundesrepublik“, sagte von Stackelberg.

Die KBV verweist hingegen auf eine eigene Studie, derzufolge die durchschnittliche Arztpraxis im Schnitt 92.000 Euro Überschuss aus der Behandlungen von Kassenpatienten erhalte.

Antje Schroeder