Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Heftige Debatte um Nachfolge von Europas Währungshüter
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Heftige Debatte um Nachfolge von Europas Währungshüter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:35 16.02.2010
Die Regierung will Bundesbankpraesident Axel Weber einem Zeitungsbericht zufolge mit einer geschickten Vizepraesidentenwahl an die Spitze der Europaeischen Zentralbank (EZB) hieven. Quelle: ap
Anzeige

Heftiger Gegenwind für Berlin: „Ich werde nicht dafür plädieren, dass Deutschland den Posten des EZB-Präsidenten stellen wird“, sagte der Eurogruppen-Vorsitzende, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, am Dienstag im Deutschlandfunk. Juncker kritisierte, Berlin werte die Nominierung des Portugiesen Vítor Constâncio zum Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) als Vorentscheidung für die Neubesetzung des Präsidentenpostens. Das sei eine zu kurzsichtige Art, Politik zu machen. „Die Berliner machen sich die Welt einfach.“ Trichets Amtszeit endet im Oktober 2011.

Juncker sagte: „Wenn man in Berlin und Frankfurt denkt, man hat jetzt die Voraussetzung geschaffen, dass ein Deutscher Präsident der Europäischen Zentralbank wird, ist diese Vorstellung nicht zielorientiert.“ Deutschland werde für seinen Kandidaten kämpfen müssen, warnte Juncker: „Die Berliner täuschen sich oft, wenn es um zukunftsträchtige europäische Perspektive geht.“

Anzeige

Der österreichische Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll sagte in Brüssel: „Es ist überhaupt nicht die Zeit gekommen, über den EZB-Chef jetzt die Debatte zu führen.“ Die Minister des Eurogebiets wollten im kommenden Jahr darüber entscheiden. Der Beschluss müsse dann „zeitgerecht, logisch und richtig“ für das gemeinsame Währungsgebiet sein. Zu Weber nahm Pröll keine Stellung.

EU-Diplomaten berichten in Brüssel, das Rennen um die Trichet- Nachfolge sei noch lange nicht gelaufen. Als möglicher Trichet- Nachfolger gilt neben Weber der Italiener Mario Draghi. In der EU- Metropole hält man aber auch für möglich, dass noch ein Dritter ins Rennen geschickt wird.

Deutsche Medien spekulieren, mit der Nominierung eines Südeuropäers für den Posten des Vizechefs stiegen Webers Chancen. Argumentiert wird mit einem geografischen Proporz an der Spitze der Bank, der allerdings beim Start der EZB mit dem niederländischen Präsidenten Wim Duisenberg und dem französischen Vize Christian Noyer auch nicht galt. Das „Handelsblatt“ berichtete, mit der Entscheidung für den Portugiesen seien „die Bemühungen der Bundesregierung einen entscheidenden Schritt vorangekommen“, erstmals einen Deutschen die Spitze der EZB zu bringen. Die Bundesregierung unterstützt Weber, hält eine öffentliche Debatte über die Personalie aber für verfrüht.

Die Euro-Finanzchefs hatten sich am Montagabend für den 66 Jahre alten Chef der Notenbank in Lissabon entschieden und damit gegen den Belgier Peter Praet und den Luxemburger Yves Mersch. Die Entscheidung für Constâncio sollte an diesem Dienstag vom EU- Finanzministerrat bestätigt werden. Das galt als Formsache. Amtsinhaber Lucas Papademos scheidet nach acht Jahren Ende Mai aus.

dpa