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Deutschland / Welt Heftiger Streit um Frauenquoten in der Wirtschaft
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Heftiger Streit um Frauenquoten in der Wirtschaft
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13:26 26.10.2012
Foto: FDP und CDU lehnen Frauenquoten in der deutschen Wirtschaft strikt ab.
FDP und CDU lehnen Frauenquoten in der deutschen Wirtschaft strikt ab. Quelle: dpa
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Berlin

Koalition und Opposition haben sich im Bundestag einen heftigen Schlagabtausch über eine Frauenquote in Spitzenpositionen von Unternehmen geliefert. In einer emotional geführten Debatte lehnten die meisten Redner von Union und FDP diese Pläne am Freitag strikt ab.

Allerdings wurde in der Aussprache auch ein Riss in der Union deutlich. Unter dem Beifall von vielen Unionsfrauen warb die CDU-Abgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker offensiv für solche Vorgaben. Frauen in Top-Positionen der Wirtschaft seien kein „Luxusthema“, erklärte sie an die Adresse auch der vielen männlichen Quoten-Gegner in den eigenen Reihen. Von allein werde sich aber nichts daran ändern. „Deshalb brauchen wir eine gesetzliche Regelung“, zeigte sich Winkelmeier-Becker überzeugt. Von der Opposition wurde sie für ihre „mutige Rede“ beglückwünscht.

Nach Überzeugung der Grünen-Abgeordneten Ekin Deligöz gibt es im Parlament eine Mehrheit für eine solche Quote. Sie forderte die Spitzen der Koalition auf, die Abstimmung darüber im Parlament freizugeben und auf Fraktionszwang zu verzichten. Dies wies Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs zurück. Dabei gehe es nicht um eine Gewissensentscheidung, sagte er im Deutschlandfunk.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast appellierte in der Debatte an die weiblichen Abgeordneten in der Union, sich nicht kleinkriegen zu lassen. „Die Geduld der Frauen ist am Ende. Wir wollen nicht länger warten“, erklärte sie. Redner von Union und FDP warnten dagegen vor einer Gängelung der Wirtschaft und vor drohender Planwirtschaft.

SPD und Grüne legten als Gesetzentwurf einen Antrag Hamburgs vor, der im September im Bundesrat auch mit Hilfe der CDU-geführten Länder Saarland und Thüringen angenommen worden war. Er sieht die Einführung von Mindestquoten in Aufsichtsräten mit langen Übergangsfristen und großzügigen Ausnahmeregelungen vor. Darüber soll noch in diesem Jahr auch im Bundestag abgestimmt werden.

dpa

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