Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Heizöl wird teurer
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Heizöl wird teurer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:22 10.02.2012
Der harte Frost in Europa lässt die Preise für Heizöl steigen. Quelle: dpa
Anzeige
Hamburg

Schlechte Zeiten für Heizöl-Verbraucher: Sie müssen so viel bezahlen wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren und zudem drei oder vier Wochen warten, bis sie beliefert werden. Die Kälte in Europa und die hohe Nachfrage haben den Preis im bundesweiten Durchschnitt auf 93,20 Euro für 100 Liter getrieben, bei Abnahme von 3000 Litern. Viele Heizöl-Kunden hatten wegen der schon seit langem hohen Preise und dem zunächst milden Winter gezögert, ihre Tanks zu füllen. Sie müssen jetzt im Preishoch nachkaufen. Händler berichten von Nachfragesteigerungen bis zu 400 Prozent.

Wer völlig auf dem Trockenen und in einer kalten Wohnung sitzt, bekommt bevorzugt zumindest eine kleinere Menge Heizöl geliefert. „Man muss zu diesem ungünstigen Zeitpunkt nicht in Bestellpanik verfallen, wenn man noch einen gewissen Vorrat hat", sagte am Freitag Thomas C. Petersen von der Firma Tecson in Felde (Schleswig-Holstein). "Sicherlich wird die momentane Preisspitze, welche wir als Überteuerung sehen, wieder abfallen." Dennoch werde sich das Preisniveau auch in den März hinein auf hohem Niveau halten.

Anzeige

Die globalen Trends, die den Rohölpreis bestimmen sind allerdings nicht so eindeutig. Rohöl der Nordsee-Sorte Brent notierte am Freitag mit rund 117 Euro für ein Barrel (159 Liter) unter dem Vortag. Zugleich gab es Meldungen, dass die Ölimporte Chinas langsamer wachsen und die OPEC korrigierte ihre Prognose zum weltweiten Anstieg des Ölverbrauchs etwas nach unten. Das könnte sich auch dämpfend auf den Ölpreis auswirken, sobald die Kältewelle in Europa wieder nachlässt.

Verschärft wird die Lage durch vereiste Kanäle und Wasserstraßen. Die Binnenschifffahrt ist in Niedersachsen vollständig zum Erliegen gekommen, die Elbe ist oberhalb von Hamburg nicht mehr zu befahren und auch in Nordrhein-Westfalen sind viele Kanäle zugefroren. Einige Tanklager zum Beispiel in Dortmund und Berlin können deshalb nicht mehr beliefert werden; die Heizöl-Händler müssen auf andere Bezugsquellen ausweichen. Das verursacht Umwege, Verzögerungen und Mehrkosten. Der Rhein als die wichtigste Wasserstraße für den Transport von Öl und Ölprodukten ist allerdings noch frei.

„Wir sind in allen unseren Raffinerien und Lagern lieferfähig", sagte Aral-Sprecher Detlef Brandenburg. Vor der BP-Raffinerie Gelsenkirchen bildeten sich längere Schlangen von Tankwagen, um Heizöl und Kraftstoffe zu laden. Die Transportlogistik der Branche ist überlastet. Auch an einigen Tankstellen kam es zeitweise zu Engpässen und leeren Tanks. Das ist allerdings nicht außergewöhnlich und passiert immer wieder einmal bei besonderen Marktlagen oder Behinderungen durch die Witterung, zum Beispiel Glatteis oder Schnee.

Bei Shell kam es vor allem in Bayern und Sachsen zu Problemen, wo teilweise die Tankwagen wegen Fahrverboten nicht ausliefern konnten, sagte Sprecherin Cornelia Wolber. Auch sei das Heizöl in den Tanklagern zeitweise so kalt geworden, dass es nicht mehr den Shell-Qualitätsnormen genügt hätte und damit nicht ausgeliefert worden sei, zum Beispiel bei einem Tanklager in Sachsen sowie in Würzburg.

Mit dem Heizöl ist auch der technisch verwandte Dieselkraftstoff relativ teuer geworden. Am Freitag kostete er im bundesweiten Durchschnitt rund 1,48 Euro; dieser Preis kann allerdings im Tages- und Wochenverlauf stark schwanken. Benzin der Sorte E10 kostete 1,58 Euro je Liter, Superbenzin E5 ist drei Cent teurer.

dpa

Mehr zum Thema

Der Heizölpreis ist pünktlich zu Beginn der Heizsaison erstmals seit mehr als drei Jahren wieder über die Marke von 90 Euro gestiegen. Im bundesweiten Durchschnitt mussten die Verbraucher am Montag 90,20 Euro für 100 Liter Heizöl bezahlen, bei Abnahme von 3000 Litern.

14.11.2011

Die Deutschen geizen wegen der hohen Energiekosten beim Heizen. So ging der Verbrauch von Erdgas seit 2005 um mehr als drei Prozent zurück. Auch beim Strom sparen die Deutschen.

18.10.2010

Die Verbraucher in Deutschland haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld für das Heizen ihrer Wohnungen und Häuser ausgeben müssen: Im Schnitt stiegen die Heizkosten bundesweit um 17 Prozent.

01.10.2009