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Deutschland / Welt IG Metall will Arbeit flexibler gestalten
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt IG Metall will Arbeit flexibler gestalten
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00:22 16.06.2014
Von Lars Ruzic
Mit der Altersteilzeit vergleichbare Modelle diskutiert die Gewerkschaft auch für andere Lebenslagen – zum Beispiel Weiterqualifizierungen für junge Beschäftigte.
Mit der Altersteilzeit vergleichbare Modelle diskutiert die Gewerkschaft auch für andere Lebenslagen – zum Beispiel Weiterqualifizierungen für junge Beschäftigte. Quelle: Felix Kästle
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Hannover

Dazu soll nicht nur die Altersteilzeit neu geregelt werden - ihren Funktionsmechanismus wollen die Arbeitnehmervertreter auch auf andere Lebensphasen eines Beschäftigten übertragen. In den kommenden Monaten werde ein Forderungspaket geschnürt, mit dem neben höherem Entgelt zwei weitere „qualitative Verbesserungen“ erstritten werden sollten, sagte Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine in Hannover.

Der bestehende Flächentarifvertrag in der Metall- und Elektroindustrie gilt noch bis Ende des Jahres, zwei Monate später läuft der Haustarifvertrag von Volkswagen aus. Zumindest beim Geld wollen Niedersachsens Gewerkschafter für beide Gruppen identische Forderungen beschließen. Auch bei VW werde es „qualitative“ Themen zu besprechen geben, sagte Meine. Sie könnten allerdings von denen in der Fläche abweichen. Zusammen verhandelt die IG Metall für 200 000 Beschäftigte in Niedersachsen.

Inhaltliche Forderungen seien sehr komplex, sagte Meine. „Das muss ordentlich in den Belegschaften debattiert und sauber vorbereitet werden.“ Deshalb werden die Bezirke bereits Ende Juni ihre Wünsche festlegen. Die Grundzüge zeichnen sich bereits ab. „Die Altersteilzeit wird das Topthema werden“, sagte Meine. Hier läuft der bestehende Tarifvertrag im März 2015 aus.

An dem bei der Belegschaft äußerst beliebten Instrument müsse auf jeden Fall festgehalten werden, forderte Meine. „Hier sind die Kollegen auch bereit, sich richtig zu engagieren.“ Nach dem bisherigen Tarifvertrag können 4 Prozent der Belegschaft eines Betriebes in Altersteilzeit gehen. In der Regel arbeiten sie im Alter zwischen 57 und 60 Jahre Vollzeit und bleiben zwischen 60 und 63 daheim. Während dieser Zeit gibt es meist 87 Prozent des letzten Nettolohns. Mit 63 geht der Betroffene dann - in der Regel mit Abschlägen - in Rente. Meine ließ durchblicken, dass die Gewerkschaft das Modell für niedrigere Einkommensgruppen attraktiver machen will. Sie hätten meist Probleme, mit 87 Prozent ihres Lohns über die Runden zu kommen, sagte er. Auf Betriebsebene hat die Gewerkschaft schon Vereinbarungen getroffen, bei denen Niedriglöhner trotz Teilzeit fast 100 Prozent ihres Nettolohns bekommen.

Mit der Altersteilzeit vergleichbare Modelle diskutiert die Gewerkschaft auch für andere Lebenslagen. So könnte jungen Beschäftigten eine Weiterqualifizierung schmackhafter gemacht werden, wenn sie beispielsweise über vier Jahre 87 Prozent des Lohns bekämen - davon aber zwei Jahre arbeiteten und zwei Jahre für eine Fortbildung nutzten, sagte der Bezirkschef. Gleichzeitig gebe es in der Belegschaft großes Interesse an einer vorübergehenden Freistellung oder Teilzeit etwa für das Großziehen der Kinder oder die Pflege der Eltern. Hier könnte das Modell angewendet werden. In beiden Fällen müssten die Arbeitgeber die Löhne allerdings wie in der Altersteilzeit aufstocken, sagte Meine. Er deutete an, dass die Niedersachsen das Qualifizierungsmodell favorisierten.

Stefan Winter 13.06.2014
13.06.2014