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Deutschland / Welt IWF warnt vor Abwertungsrennen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt IWF warnt vor Abwertungsrennen
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20:42 06.10.2010
Dominique Strauss-Kahn sieht „ernsthafte Risiken“. Quelle: dpa
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Er fügte hinzu: „In die Tat umgesetzt, könnte solch eine Idee ein sehr ernsthaftes Risiko für die weltwirtschaftliche Erholung darstellen. Jeder entsprechende Versuch hätte negative und sehr schädliche Auswirkungen.“ Zuvor hatte der IWF-Chef bereits vor einem „Währungskrieg“ gewarnt.

Bei Experten wächst die Sorge, dass viele Staaten ihre Währungen bewusst schwächen könnten, um die Exportchancen ihrer Unternehmen zu erhöhen und ihnen so die Erholung von der Rezession zu erleichtern. Die Folge könnte ein Abwertungswettlauf sein.

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Im Fokus der Kritik steht China, dessen Yuan schon lange als unterbewertet gilt. Forderungen der USA und der EU nach einer Aufwertung zeigen in Peking bisher jedoch wenig Wirkung. Andere Staaten haben Maßnahmen ergriffen, um ihre Währungen von einem Aufwärtsdruck zu entlasten. So reagierte Japan mit Dollar-Käufen auf den steigenden Wechselkurs des Yen und senkte den Leitzins. Auch Brasilien hat eine Intervention am Devisenmarkt angedroht, um einer Aufwertung des Real entgegenzuwirken.

Der Yuan wird laut Wirtschaftsminister Rainer Brüderle ein wichtiges Thema beim Treffen der G-20-Staaten im November in Seoul sein. „Wir müssen mit den chinesischen Partnern über dieses Thema sprechen“, sagte er in Berlin. In den vergangenen Jahren sei der Yuan zwar um rund 15 Prozent aufgewertet worden. „Aber es bestehen in der Tat noch Ungleichgewichte.“

Das Bundesfinanzministerium schätzt, dass der Yuan um bis zu 27 Prozent unterbewertet ist, das Peterson Institut für Internationale Wirtschaft in Washington hat eine Spanne von 15 bis 40 Prozent errechnet. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat errechnet, dass China seit seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) 2002 seinen Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA von 103 Milliarden Dollar auf 268 Milliarden US-Dollar im Jahr 2008 mehr als verdoppelt habe. Demgegenüber sehen sich Amerikaner und Europäer wegen der für sie ungünstigen Wechselkurse um ihre Exportchancen nach China gebracht.

Das DIW sieht im Streit um den Yuan eine große Gefahr für die Weltwirtschaft. Ein Handelskrieg zwischen den USA und China „würde einen herben Rückschlag für die Konjunktur bedeuten“, erklärte DIW-Ökonom Georg Erber. Das US-Repräsentantenhaus hat gerade Strafzölle auf chinesische Produkte beschlossen, die allerdings noch nicht in Kraft sind.

Würde sich der Handelsstreit mit China zuspitzen, könnten sich die Wachstumsperspektiven auch in Deutschland verschlechtern, erklärt Erber. Die hiesigen Hersteller von Investitionsgütern, zum Beispiel Maschinenbauer, sind im Moment trotz widriger Währungsbedingungen sehr erfolgreich in China. Vor allem deshalb sieht der IWF Deutschland im Moment als Wachstumslokomotive.

In ihrem am Mittwoch vorgelegten Konkjunkturgutachten sagen die IWF-Experten Deutschland in diesem Jahr 3,3 Prozent Wirtschaftswachstum voraus – und damit deutlich mehr als die anderen großen Volkswirtschaften wie USA, Japan, Frankreich oder Großbritannien. Einzig China bleibt laut IWF-Prognose mit zweistelligen Wachstumsraten weiterhin unerreichbar.

Für 2011 setzte der IWF die Schätzung für Deutschland von 1,6 auf 2 Prozent herauf. Das weltweite Wachstum für 2010 nimmt der IWF mit 4,8 Prozent an, für 2011 werden 4,2 Prozent erwartet. Für die USA ist der IWF pessimistischer geworden: Statt bisher mehr als 3 Prozent sagt er für 2010 noch 2,6 und für 2011 noch 2,3 Prozent voraus.

dapd