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22:17 01.11.2015
Von Jens Heitmann
Ikea-Gründer Ingvar Kamprad gilt als das Urbild vom aufrechten und ehrbaren Skandinavier. Quelle: dpa
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Stockholm

Ikea gilt als das schwedischste aller schwedischen Unternehmen - und sein Gründer Ingvar Kamprad als das Urbild vom aufrechten und ehrbaren Skandinavier: Knorrig sei er und erdverbunden, störrisch und bauernschlau, aber auch selbstgenügsam, heißt es. Obwohl mittlerweile milliardenschwer, mache sich der 89-Jährige nichts aus Luxus; noch immer störe ihn jede Lampe, die in seinen Läden zu viel brennt. So weit das Klischee - die Wirklichkeit ist wie so oft nuancierter.

Kamprad mag ein schrulliger Sonderling sein, zuallererst aber ist er ein beinharter Geschäftsmann. Die Geschichte vom 17-jährigen Ingvar, der sich von seinem Vater 300 Kronen lieh, um seinen ersten kleinen Versandhandel mit Gemüsesamen, selbst gefangenen Fischen und Kugelschreibern aufzuziehen und die Waren per Fahrrad zu den Nachbarn zu transportieren, deutet schon den Ehrgeiz an, der für die Gründung eines Wirtschaftsimperiums unerlässlich ist. Er will Geld verdienen, möglichst viel davon - und er will es behalten.

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Das aber fällt Unternehmern in Skandinavien schwerer als anderswo. Die Abgaben sind hoch und die Schlupflöcher klein - die eigene Steuererklärung ist in Schweden für jeden öffentlich zugänglich. So hat Kamprad seiner Heimat früh den Rücken gekehrt: Seit 1973 lebte er im Ausland, lange in der Schweiz. Seither weiß niemand außer ihm selbst, wie das Imperium Ikea mit seinen 328 Kaufhäusern in 28 Ländern genau funktioniert - und welche Gewinne es abwirft. Es gibt Stiftungen in den Niederlanden, Gesellschaften in Liechtenstein, in denen auch seine drei Söhne mitmischen - das ist inzwischen bekannt. Aber viel mehr eben auch nicht. Das Vermögen der Familie kann nur geschätzt werden, bis zu 40 Milliarden Euro sollen es sein.

Ein bisschen davon bekommt jetzt auch wieder der schwedische Fiskus ab. Nach einem Bericht der Zeitung „Dagens Nyheter“ hat Kamprad seine Einkünfte für das vergangene Jahr auf umgerechnet knapp 1,9 Millionen Euro beziffert - dafür wären dann an die 640.000 Euro Steuern fällig. Um die Steuererklärung kam er nicht herum: Kamprad ist nach dem Tod seiner Frau 2013 nach Schweden zurückgekehrt. Zumindest bei ihm selbst scheint die Heimatliebe zum Lebensende wieder größer zu sein als der Steuerspartrieb.

Für Ikea gilt das allerdings nicht. Wie im Zuge der Luxemburg-Leaks-Affäre bekannt wurde, soll die Holdinggesellschaft des Konzerns etwa für das Jahr 2010 gerade einmal 48 000 Euro Steuern bezahlt haben - auf einen Gewinn von seinerzeit 2,5 Milliarden Euro.

01.11.2015
30.10.2015