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Deutschland / Welt Ikea Gründer Kamprad lenkt Ikea über Liechtenstein
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Ikea Gründer Kamprad lenkt Ikea über Liechtenstein
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08:04 28.01.2011
Schrulliger Sonderling oder raffinierter Finanzjongleur? Ikea-Gründer Kamprad. Quelle: dpa
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Als schwedischster aller schwedischen Konzerne gibt sich Ikea gerne. Das geht von den blau-gelb gestrichenen Möbelhäusern bis zum Akzent des Sprechers in der Fernsehwerbung, vom Sofa „Ektorp“ bis zu den „Köttbullar“ in der Kantine – und mit dem „Urschweden“ Ingvar Kamprad als Gründer und Aushängeschild: knorrig und erdverbunden, störrisch und bauernschlau, sparsam bis geizig, wenn er im Uraltauto bei seinen Läden vorfährt und sich vergewissert, dass keine Lampe zu viel brennt.

Die Wirklichkeit ist, wie so oft im Leben, nuancierter. Schwedisch ist bei Ikea nur der Anstrich: Das Warensortiment stammt aus der Billigproduktion in Fernost, und Ikeas Besitzer ist offiziell die in den Niederlanden registrierte Stiftung Ingka Foundation. 1982 hat Kamprad ihr sein Lebenswerk überschrieben, das aus einem Versandhandel aus dem eigenen Schuppen zu einem Imperium mit Niederlassungen in 38 Ländern und mit 127.000 Angestellten wuchs. Nicht mehr er kontrolliere den Möbelgiganten, hat Kamprad seither stets beteuert. Auch das Vermögen sei in den Händen der Stiftung, deren Aufgabe es sei, Ikeas „ewiges Leben“ zu sichern.

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Dass auch dies nur die halbe Wahrheit ist, entlarvte nun eine Fernsehdokumentation des schwedischen Senders SVT, die Kamprads Firmennetz aufdröselte. An der Spitze des Systems fand SVT eine bisher unbekannte Gesellschaft namens Interogo Foundation, die mit Sitz in Vaduz der Gründerfamilie die Kontrolle über das Unternehmen sichert. Interogo hat demnach ein nur der Familie Kamprad zugängliches Vermögen von 100 Milliarden Kronen angehäuft – mehr als 11 Milliarden Euro.

Kamprad habe alles getan, um die Verbindung zwischen Interogo und Ikea geheim zu halten. Jetzt erst bestätigte er die Existenz der Stiftung, die in die „Expansion des Unternehmens investieren“ solle. Interogo werde von „meiner Familie“ kontrolliert, schreibt Kamprad, was im Klartext heißt: von ihm selbst. Der 84-Jährige hat den Griff auf sein Imperium nie gelockert. Seit den siebziger Jahren lebt Kamprad aus steuerlichen Gründen im schweizerischen Lausanne. Er gilt als einer der reichsten Männer der Welt.

Interogo ist laut SVT Eigentümer der Firma Inter Ikea, des wahren Machtzentrums des schwedischen Möbelreichs. Inter Ikea besitzt mit dem Markenzeichen Ikea das gesamte Warensortiment und kassiert von jedem verkauften Artikel 3 Prozent des Preises – steuerfrei. Für die Warenhäuser ist die Abgabe ein abzugsfähiger Ausgabenposten. Die Milliarden fließen nach Liechtenstein, getreu dem Ikea-Motto, dass es „Todsünde“ sei, mehr als unbedingt nötig an Steuern zu zahlen.

Illegal ist das nicht, ebenso wenig wie die Tatsache, dass Kamprad sein Imperium und sein Vermögen weiterhin strikt selbst verwaltet. Bleibt die Frage, warum er daraus bisher ein Geheimnis machte? Aus Imagegründen, vermutet SVT-Reporter Magnus Svennungsson. Die Milliarden in Liechtenstein passen schlecht zum netten Selbstbild des schrulligen Sonderlings, das so viel zu Ikeas Popularität beigetragen hat.

Kamprad macht immer wieder mit eigenwilligen Auftritten Schlagzeilen. So nennt er sich selbst gern „dümmlich“, bekennt sich zu einer ausgeprägten Lese- und Rechtschreibschwäche und zu seinem nicht immer erfolgreichen Kampf gegen den Alkohol. Er legt nach außen ausgeprägten Wert auf persönliche Sparsamkeit. Nach dem Bekanntwerden seiner Sympathien für die deutschen Nationalsozialisten in jungen Jahren entschuldigte er sich dafür öffentlich und unter Tränen.

Hannes Gamillscheg/dpa