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Deutschland / Welt Im Testfeld läuft es nicht rund
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Im Testfeld läuft es nicht rund
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22:04 29.06.2010
Von Margit Kautenburger
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Kaum einen Monat waren die zwölf Windräder in Betrieb, mussten die Betreiber einen Rückschlag verkraften. Seit Mai stehen zwei der Anlagen still, weil es Probleme mit dem Getriebe gibt, wie jetzt bekannt wurde.

Einen „ärgerlichen Vorfall“, nennt „alpha-ventus“-Sprecher Lutz Wiese die folgenschwere Panne. „Es ist nicht das, was man sich wünscht, wenn man ein Pionierprojekt startet“. Der Ausfall ist bitter, schließlich sollen die mehr als 150 Meter hohen Rotoren die Türöffner für den Windkraftausbau auf der Nordsee sein. „Es handelt sich zwar um ein Testfeld, nicht aber um einen Prüfstand für die Funktionsfähigkeit der Anlagen“, sagt Wiese.

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Die Hälfte der Windräder stammt von dem Hamburger Hersteller Repower, der auf eine bereits in anderen Offshore-Parks erprobte Technik zurückgreifen kann. Diese Anlagen arbeiten bislang ohne große Probleme. Anders verhält es sich bei den sechs Rotoren der Bremerhavener Firma Areva-Multibrid. Prototypen wurden zwar zuvor an Land getestet, das Unternehmen ist aber Neueinsteiger im Windkraftgeschäft. Zwei dieser Windräder stehen nun still.

Schuld ist nach Ansicht Arevas ein Zulieferer. Dieser habe andere Materialien als bei den Prototypen eingesetzt. Das Getriebe wird dadurch zu heiß, im schlimmsten Fall kann sich Öl entzünden. „Da ist wohl am falschen Ende Geld gespart worden“, meinen Insider.

Weil die Schäden auf See nicht zu reparieren sind, muss Areva die defekten Maschinenhäuser – womöglich sogar die aller sechs Anlagen austauschen. Im August soll die Demontage beginnen. Der Aufwand wird erheblich, erneut müssen teure Kranschiffe anrücken. Über die Kosten schweigt Areva sich aus.

Dass die Panne die Offshore-Euphorie dämpft, hält man in der Branche für unwahrscheinlich. Fehler passierten – auch Dänemark habe Lehrgeld bezahlen und ganze Anlagen austauschen müssen, weil salzige Seeluft zu Korrosion geführt habe. Dass die Windkraftnutzung auf See nicht schneller vorankomme, liege nicht an technischen Problemen. Vielmehr steckten die großen Stromkonzerne ihre Claims ab, ohne ein wirkliches Interesse am Ausbau zu haben, mutmaßt ein Sprecher des Bundesverbandes Windenergie. „Warum sollen sie ihren Kohle- und Atomkraftwerken Konkurrenz machen, solange diese unter günstigen Bedingungen laufen können?“

Dirk Stelzl 29.06.2010
29.06.2010