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Deutschland / Welt Immer mehr ältere Arbeitnehmer schieben ihre Rente auf
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Immer mehr ältere Arbeitnehmer schieben ihre Rente auf
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21:12 10.07.2017
Von Jens Heitmann
Abgemacht: Firmen wollen wegen des Fachkräftemangels ältere Mitarbeiter halten, die Arbeitnehmer erwarten dafür vor allem Flexibilität.
Abgemacht: Firmen wollen wegen des Fachkräftemangels ältere Mitarbeiter halten, die Arbeitnehmer erwarten dafür vor allem Flexibilität. Quelle: Silas Stein/dpa
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Hannover

Ältere Arbeitnehmer sind offenbar bereit, ihren Ruhestand aufzuschieben - wenn sich ihre Firma bei den Arbeitszeiten flexibel zeigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Jeder dritte Betrieb versuche mittlerweile, rentenberechtigte Mitarbeiter an Bord zu behalten, um dem wachsenden Fachkräftemangel zu begegnen. In vier von fünf Fällen sei das zuletzt auch gelungen, schreiben die Autoren.

Die Studie basiert auf einer Umfrage und einer Hochrechnung für das vierte Quartal 2015: In diesem Zeitraum waren in knapp 400.000 Betrieben 647.000 Mitarbeiter tätig, die bereits rentenberechtigt waren oder es zwischen Oktober und Dezember geworden sind. Rund ein Drittel der Arbeitgeber habe sich darum bemüht, ältere Beschäftigte länger an sich zu binden. Von insgesamt 171.000 angesprochenen Arbeitnehmern hätten sich dazu 83 Prozent bereit erklärt, heißt es.

Jeder Fünfte bleibt

Ganz oben auf der Wunschliste älterer Beschäftigter stehen kürzere und flexiblere Arbeitszeiten. Diese Forderung sei im Osten Deutschlands (69 Prozent) noch ausgeprägter als im Westen (57 Prozent), schreiben die Autoren. Dieses Bedürfnis spiegelt sich auch in der hohen Teilzeitquote unter älteren Beschäftigten wider: Nach Zahlen aus dem Jahr 2014 arbeiteten unter den 60- bis 63-Jährigen rund zwei Drittel der Frauen und ein Drittel der Männer in regulärer Teilzeit oder als geringfügig Beschäftigte.

Knapp jeder fünfte Rentenberechtigte lasse sich mit einer Veränderung der Art seiner bisherigen Arbeit zum Bleiben überreden, 13 Prozent der Firmen hätten höhere Löhne ausgelobt. Letzteres sei insbesondere in kleineren Betrieben erfolgreich - möglicherweise gebe es dort aufgrund niedrigerer Ausgangsgehälter mehr Spielraum, heißt es in der Studie.

Die Unternehmerverbände Niedersachsen hoffen, dass die Bemühungen der Unternehmen die Effekte der Einführung der Rente mit 63 zu einem Teil ausgleichen können. Allein 2015 habe ein Viertel der Neurentner die Möglichkeit genutzt, nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge in den Ruhestand zu gehen, sagte Hauptgeschäftsführer Volker Müller. Der Einfluss der Rente mit 63 auf den Arbeitsmarkt sei erheblich: „Deshalb ist es nachvollziehbar, dass einerseits gesunde und zufriedene Arbeitnehmer im Rentenalter länger arbeiten möchten und andererseits Unternehmen mit Fachkräftebedarf diese gerne weiter beschäftigen, um Fachwissen und Qualität so lange wie möglich im Betrieb zu halten.“