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Deutschland / Welt Immer weniger Jugendliche absolvieren eine Lehre
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Immer weniger Jugendliche absolvieren eine Lehre
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02:15 24.05.2014
Der Beruf des Kfz-Mechatronikers ist bei Jugendlichen beliebt. In vielen anderen Berufen haben Firmen Mühe bei der Nachwuchssuche.
 Der Beruf des Kfz-Mechatronikers ist bei Jugendlichen beliebt. In vielen anderen Berufen haben Firmen Mühe bei der Nachwuchssuche. Quelle: Waltraud Grubitzsch
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Wiesbaden/Hannover

Dies waren 4,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Rekordjahr 1999 waren mehr als 635 000 Ausbildungsverträge unterzeichnet worden.

In Niedersachsen verringerte sich die Zahl der Neuverträge um 3,8 Prozent. Insgesamt gab es am Jahresende bundesweit knapp 1,4 Millionen Lehrlinge – 2,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Im laufenden Jahr berichten Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern von wieder zunehmenden Verträgen – sie warnen aber davor, dies als Trendwende zu interpretieren. 

 
Gründe für die Rückgänge sind nach Einschätzung der Statistiker die demografische Entwicklung mit sinkenden  Bewerberzahlen und die verstärkte Neigung von Schulabgängern, ein Studium statt einer betrieblichen Ausbildung zu beginnen. In diesem Jahr werde die Zahl der Schulabgänger in Deutschland um 0,4 Prozent zurückgehen, erklärte der Zentralverband des Deutschen Handwerks. Vor Kurzem wies der Niedersächsische Industrie- und Handelskammertag (NIHK) nach einer Umfrage unter mehr als 1200 Firmen im Land darauf hin, dass fast ein Viertel der Unternehmen nicht alle angebotenen Lehrstellen besetzen könne, weil es an „geeigneten“ Bewerbern fehle. Viele Unternehmer seien wegen des Bewerbermangels frustriert und wollten weniger Ausbildungsplätze anbieten.

Kluft auf dem Arbeitsmarkt

Nachteile im Osten: 25 Jahre nach dem Fall der Mauer besteht noch immer eine Kluft zwischen den Arbeitsmärkten in West- und Ostdeutschland. Sie sei aber in den vergangenen zehn Jahren deutlich geschrumpft, heißt es in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Mit einer Quote von 10,7 Prozent sei die Arbeitslosigkeit im Osten jedoch noch fast doppelt so hoch wie im Westen.

Besonders starke Rückgänge bei den neu abgeschlossenen Verträgen verzeichneten im vergangenen Jahr die beiden größten Ausbildungsbereiche Industrie/Handel mit einem Minus von 4,7 Prozent sowie das Handwerk mit minus 5 Prozent. Im öffentlichen Dienst hingegen traten 2 Prozent mehr junge Menschen ihre Ausbildung an. Die Statistik zeigt auch starke regionale Unterschiede: In Berlin und Brandenburg sank die Zahl der Neuverträge um über 9 Prozent, während etwa in Bayern das Minus bei „nur“ 3 Prozent lag. Die Gesamtzahl der Auszubildenden schrumpfte in den neuen Ländern einschließlich Berlin mit 6,7 Prozent weit stärker als im Westen mit 2 Prozent.

In den ersten Monaten dieses Jahres wurden in Niedersachsen wieder mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen. „Wir liegen leicht im Plus“, sagte NIHK-Bildungsexperte Volker Linde. Bei den Handwerksbetrieben seien zuletzt so viele neue Verträge registriert worden wie seit Jahren nicht mehr, berichtete der Hauptgeschäftsführer der Landesvertretung der Handwerkskammern, Michael Koch. Bis Ende April gab es demnach neue 3788 Ausbildungsverträge – nach 3604 vor einem Jahr. Den Arbeitsagenturen im Land wurden mehr offene Lehrstellen gemeldet, wobei auch die Bewerberzahlen zulegten.

Dies sei jedoch nur eine „Momentaufnahme“, betonte Koch. Es könne sein,  dass die Bilanz bis zum Jahresende doch noch schlechter ausfallen werde. Seine Begründung für die jüngsten Zuwächse: Viele Betriebe kümmerten sich frühzeitiger um die Besetzung von Lehrstellen als in der Vergangenheit. „Das müssen sie auch machen, um am Markt mitmischen zu können.“

von Christian Ebner und Dirk Stelzl

21.05.2014
Lars Ruzic 23.05.2014