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Deutschland / Welt Industrie zieht Pleite der Staatshilfe vor
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Industrie zieht Pleite der Staatshilfe vor
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21:33 19.04.2009
Herausputzen für die Besucher: Gestern legten die Aussteller auf dem Messegelände noch einmal Hand an – ob mit Schraubern an Maschinen oder Drähten an humanoiden Robotern. Die Exponate der Hannover Messe sind bis zum Freitag zu sehen.
Herausputzen für die Besucher: Gestern legten die Aussteller auf dem Messegelände noch einmal Hand an – ob mit Schraubern an Maschinen oder Drähten an humanoiden Robotern. Die Exponate der Hannover Messe sind bis zum Freitag zu sehen. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Nach einer Umfrage, die der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und das Institut der deutschen Wirtschaft am Sonntag in Hannover präsentierten, lehnen 91 Prozent der Firmen die Übernahme eines Industrieunternehmens durch den Staat zur Krisenbewältigung ab. Nur jeder Fünfte befürwortet eine Rettung von Großunternehmen vor der drohenden Insolvenz.

Die Unternehmer seien eben „pragmatischer, als viele denken“, sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel vor mehr als hundert Firmenchefs im Hannover Congress Centrum. Die aktuelle Krise lasse sich nicht durch Konjunkturpakete, sondern nur durch eine „Stärkung der industriellen Basis Deutschlands“ lösen. „Wir können mit öffentlichen Geldern die Wirtschaftskrise nicht lösen“, fügte Keitel hinzu. Man werde nach der Krise stärker dastehen als zuvor, auch wenn die Situation gravierender sei als „alles, was wir seit 1945 erlebt haben“.

„Der Sommer 2009 wird eine kritische Phase“, warnte der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther. „Dann erst wird sich für viele Unternehmen zeigen, ob sie ihr Personal halten können oder nicht.“ Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Andreas Schmitz, warnte, die Institute hätten das Tal noch lange nicht durchschritten. „Im Augenblick haben wir den Sprung von katastrophalen zu äußerst üblen Zuständen geschafft.“ Dennoch seien die Banken weltweit erst „zu 50 Prozent mit ihren Schwierigkeiten durch“.

Bei den Maschinenbauern, Kern der Ausstellerschaft auf der Hannover Messe, sind die Auftragszahlen zuletzt stark gesunken. „Die Durststrecke für uns alle wird lang sein“, sagte Unternehmer Friedhelm Loh, dessen Firma, ein Hersteller von Schaltschränken, weltweit mehr als 12.000 Menschen beschäftigt. Für kleinere, spezialisierte Unternehmen, wie sie auf der Hannover Messe zahlreich vertreten sind, sei die Krise besonders dramatisch, ergänzte ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz.

„Es gibt keinen Grund, mutlos zu werden“, sagte der Präsident des Maschinen- und Anlagenbauerverbandes VDMA, Manfred Wittenstein, am Abend der Eröffnung. Die deutschen Maschinenbauer seien immerhin in 18 von 30 Branchen Weltmarktführer, in weiteren sieben die Nummer 2. Wittenstein wies darauf hin, dass seine Branche in der vergangenen Aufschwungphase 120.000 neue Arbeitsplätze geschaffen habe. Auch weiterhin sei die Investitionsgüterindustrie technologisch und in der Wettbewerbsfähigkeit international hervorragend aufgestellt.

von Alexander Nortrup und Jens Heitmann