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Deutschland / Welt Insolvenzverfahren für Qimonda
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Insolvenzverfahren für Qimonda
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17:37 01.04.2009
Das Rettungspaket für den Chip-Produzenten ist gescheitert.
Das Rettungspaket für den Chip-Produzenten ist gescheitert. Quelle: Norbert Millauer/ddp
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Die Gespräche mit potenziellen Investoren würden fortgeführt, um die Standorte in Dresden, München und Portugal sowie „möglichst viele Arbeitsplätze“ zu erhalten, sagte Insolvenzverwalter Michael Jaffé. Die Speicherchip-Produktion in Dresden ruht seit Mittwoch. Nur eine kleine Kernmannschaft ist noch im Einsatz, um die Maschinen zu warten und Qimondas Technologie weiterzuentwickeln.

Sachsen Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) sprach von einer „sehr großen Herausforderung, bis zum Sommer eine Lösung mit entsprechender Perspektive zu finden“. Er zeigte sich aber mit Blick auf die Qimonda-Technologie zuversichtlich. Ein Investor bekäme das derzeit Beste in diesem Bereich und könne damit eine Spitzenposition erringen, sagte Jurk. Sachsen unterstütze den Insolvenzverwalter bei der Investorensuche mit allen Möglichkeiten.

Qimonda hatte am 23. Januar Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, nachdem ein Rettungspaket der Politik und des Mutterkonzerns Infineon gescheitert war. Das Unternehmen hatte zuvor wegen anhaltend schwacher Preise für Speicherchips massive Verluste geschrieben. Zuletzt beschäftigte Qimonda weltweit 8700 Menschen. In Deutschland arbeiteten 1100 Menschen in der Zentrale in München und 2700 in Dresden.

Nach Angaben von Jaffé laufen die Verhandlungen mit politischen Stellen in Sachsen, Bayern, des Bundes, Portugals und der EU um eine Unterstützung weiter. Voraussetzung sei aber, dass ein sogenannter Ankerinvestor gefunden werde. Zuletzt waren mögliche Investoren aus China, Taiwan und Russland im Gespräch. Konkrete Verhandlungen wurden dazu jedoch noch nicht bekannt.

Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens wechseln in Dresden laut Jaffé etwa 1850 Mitarbeiter in die Transfergesellschaft, in München sind es rund 600. In Dresden hatten sich bis zum Freitag 93 Prozent der infrage kommenden Mitarbeiter für diesen Wechsel entschieden, nachdem Infineon seine finanzielle Beteiligung an der Gesellschaft aufgestockt hatte. Die Mitarbeiter erhalten für maximal viereinhalb Monate bis Mitte August 70 bis 77 Prozent ihres letzten Nettolohns.

Laut Insolvenzverwalter arbeiten in Dresden rund 575 und in München 340 Beschäftigte weiter, um die Technologie “46 nm Buried Wordline“ weiterzuentwickeln. Zudem sollen die Maschinen in einem Stand-by-Modus gehalten werden. Die Produktion soll wieder aufgenommen werden, falls eine Investorenlösung zustande kommt.

Die Zahl der knapp 300 Dresdner Mitarbeiter, die weder in der Kernmannschaft noch in der Transfergesellschaft sind, begründete ein Sprecher des Insolvenzverwalters mit etwa 100 ruhenden Arbeitsverhältnissen. Zudem hätten nicht alle Mitarbeiter das Angebot zum Wechsel in die Gesellschaft angenommen oder bereits andere Jobs angetreten.

Laut Jaffé konnte durch die „Aufgabe von defizitären Aktivitäten und striktes Kostenmanagement“ sowohl die Liquidität der beiden Gesellschaften im vorläufigen Insolvenzverfahren sichergestellt als auch die Geschäftstätigkeit in reduziertem Umfang fortgesetzt werden. Qimonda habe in der Zeit der vorläufigen Insolvenz einen Umsatz von mehr als 90 Millionen Euro erzielt.

ddp