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Deutschland / Welt Island gegen „Iceland“
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00:15 02.12.2016
Von Jens Heitmann
Begehrtes "Iceland": Jetzt soll die EU entscheiden.
Begehrtes "Iceland": Jetzt soll die EU entscheiden. Quelle: imago
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Reykjavik

Dass die Isländer den Briten mittelbar ihre Unabhängigkeit verdanken, weil deren Landung im Sommer 1940 de facto die Herrschaft der einstigen Kolonialmacht Dänemark beendete, war schnell wieder vergessen, als die Befreier nach dem Abzug später die Fischgründe im Nord-Atlantik für sich erobern wollten. Gleich drei „Kabeljaukriege“ tobten auf hoher See, als die Isländer ihre Fischereigrenzen erst auf zwölf, dann auf 50 und schließlich auf 200 Seemeilen ausweiteten - und am Ende obsiegten.

Seither vertragen sich die rund 320 000 Abkömmlinge der Wikinger und die Nachfahren des früheren Empire schiedlich-friedlich - die gemeinsame Mitgliedschaft in der Nato mag dabei helfen. Auch dass die Isländer die Engländer im Sommer bei der Fußball-Europameisterschaft blamiert und aus dem Turnier geworfen haben, hat am Waffenstillstand nichts geändert.

Nun aber fährt das Außenministerium in Reykjavik ein schweres Geschütz auf - im übertragenen Sinne zumindest: Die Diplomaten klagen gegen die britische Supermarktkette „Iceland Foods“, die die Markenrechte am Landesnamen auf Englisch besitzt. Das Unternehmen gehe „aggressiv“ gegen isländische Firmen vor, die das Wort „Iceland“ in Produktnamen oder -beschreibungen verwenden, erklärte das Ministerium. Die Isländer haben deshalb das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum angerufen - es soll die Markeneintragung rückgängig machen.

Auch im britischen Lebensmitteleinzelhandel tobt ein harter Wettbewerb - seit Aldi und Lidl die Konkurrenz auf der Insel aufmischen, ist er noch ein bisschen härter geworden. Das erkennt auch die Regierung in Reykjavik an. Sie erbost jedoch, dass „Iceland Foods“ auch isländische Firmen verklagt hat, die nicht in der gleichen Branche tätig sind und somit keine Konkurrenz darstellen.

Möglicherweise erklärt sich aber auch die Intensität dieses Konflikts aus der Historie: Die isländische Handelsgruppe Baugur war zwischenzeitlich Mehrheitseigentümer von „Iceland Foods“ - bis zum Kollaps des Konzerns 2009. Anschließend landeten die Anteile bei zwei isländischen Banken, die ebenfalls von der Finanzkrise schwer in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Erst seit vier Jahren steuert wieder Unternehmensgründer Malcolm Walker die Geschäfte. Man bedauere die Klage Islands sehr, erklärt „Iceland Foods“. „Aber wir werden unsere Markenrechte energisch verteidigen.“ Schließlich arbeite die Firma seit 46 Jahren unter diesem Namen.

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