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Deutschland / Welt Jade-Weser-Port geht leer aus
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Jade-Weser-Port geht leer aus
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22:04 17.06.2014
Von Jens Heitmann
Der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven sollte von der Allianz der drei größten Reedereien profitieren. Daraus wird nun nichts. Quelle: dpa
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Wilhelmshaven

Die Allianz wollte den Tiefwasserhafen wöchentlich mit zwei Containerschiffen zusätzlich anlaufen. „Das ist für Wilhelmshaven zweifellos ein Rückschlag“, erklärte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD).

Reedereien, Hafenbetreiber und die Politik reagierten gestern überrascht auf die Entscheidung aus Peking. Nachdem zuvor die Wettbewerbshüter in den USA die Pläne durchgewinkt hatten, schien der Weg für die Allianz frei. Bei einer Zustimmung aus China hätte die Allianz etwa 43 Prozent der Containerschifffahrt auf den Routen von Asien nach Europa kontrolliert, dazu 41 Prozent der Transatlantikrouten und 24 Prozent des Transpazifik-Geschäfts. Ursprünglich wollten die drei Unternehmen ihre gemeinsamen Dienste bereits im Juli aufnehmen – wegen der fehlenden Zustimmung einzelner Kartellbehörden hatte man den Start um ein paar Monate verschoben.

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Die Verantwortlichen in Wilhelmshaven hatten darauf gehofft, dass die Allianz mit Beginn des Winterfahrplans den Jade-Weser-Port anlaufen würde. Wöchentlich sollten zwei Schiffe mit einer Kapazität von 18 000 beziehungsweise 13 000 Containern dort anlegen. Bisher steuern den Hafen in der Woche regelmäßig zwei Frachter an. Mit einem Umschlag von lediglich 76 000 Containern ist der im Herbst 2012 eröffnete Jade-Weser-Port im vergangenen Jahr weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben – geplant war eine Menge von 700 000 Containern. Die Kapazität des Hafens ist fast viermal so groß.

„Wir hatten für die Zukunft des Containerterminals Wilhelmshaven große Hoffnung in die Allianz gesetzt“, sagte Wirtschaftsminister Lies, der gerade auf einer Delegationsreise in China unterwegs ist. Die Gründe für die Ablehnung der zuständigen Stellen kenne er jedoch nicht im Einzelnen – „deshalb kann ich sie auch nicht kommentieren“. Man werde aber weiter hart für den Erfolg des Hafens arbeiten. Er führe viele Gespräche „auch mit Hafenmanagern und Reedereien, um für unseren Tiefwasserhafen zu werben“.

Der Hafenbetreiber Eurogate hat die Hoffnung auf neue Schiffe für den Jade-Weser-Port noch nicht aufgegeben. Statt mit der geplanten Allianz werde man jetzt mit den drei Reedereien einzeln verhandeln, sagte eine Unternehmenssprecherin. Maersk wollte sich gestern nicht zu seinen künftigen Plänen äußern. Dafür sei es noch zu früh, hieß es.

Für die Beschäftigten des Jade-Weser-Ports hat das Scheitern der Allianz vorerst keine negativen Konsequenzen. Nach einem Jahr Kurzarbeit existiert nun ein Beschäftigungssicherungsvertrag: Bis Ende März 2015 gibt es in Wilhelmshaven keine betriebsbedingten Kündigungen, dafür verzichten die Mitarbeiter auf 15 Prozent ihres Gehalts.