Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Kampf um Kunden: Eon zu hoher Strafe verurteilt
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Kampf um Kunden: Eon zu hoher Strafe verurteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:48 03.10.2010
Quelle: dpa
Anzeige

Hunderte Stromkunden haben nach dem Beschluss für längere Atomlaufzeiten einen Wechsel zum Ökostrom-Anbieter Lichtblick beantragt. Doch nicht immer geht ein Wechsel reibungslos über die Bühne. Gerade Eon, einer von vier Atomkraftwerksbetreiben in Deutschland, werfe seinem Unternehmen immer wieder Stöcke zwischen die Beine, klagt Lichtblick-Vorstand Gero Lücking. Mehr als 1000 Beschwerden über Behinderungen beim Anbieterwechsel haben sich seit 2008 sich bei Lichtblick angehäuft, die Forderungen an Eon belaufen sich laut Lücking auf 150.000 bis 350.000 Euro.

Der Grund: Eon-Töchter reagierten oft einfach nicht auf Wechselanträge und ließen Fristen verstreichen. Lücking ist froh, dass die Bundesnetzagentur beim seiner Meinung nach besonders störrischen brandenburgischen Anbieter Eon Edis nun durchgegriffen hat. 650.000 Euro Strafe sind zu zahlen, auf ein Konto bei der Deutschen Bundesbank, Filiale Saarbrücken, wie die Bonner Wettbewerbshüter in ihrer „Zwangsgeldfestsetzung“ betonen.

Anzeige

In dem der dpa vorliegenden Dokument wird eine Erhöhung auf 1,3 Millionen Euro angedroht, wenn nicht bis Dienstag alle Hürden beseitigt werden. Eon Edis weist gezielte Wettbewerbsbehinderungen zurück und spricht von Problemen bei der EdV-Umstellung, die dafür verantwortlich seien. „Anträge zu Anbieterwechseln werden mit höchster Priorität behandelt“, betont ein Eon Edis-Sprecher.

Aber das Problem bleibt: Bei der Strommarktliberalisierung 1998 wurde nach Meinung vieler Anbieter nicht genug darauf geachtet, Netzbetreiber und Stromversorger strikt voneinander zu trennen. Und ein weiteres, damit zusammenhängendes Problem zieht wegen der im Schnitt 12 Jahre längeren Atomlaufzeiten am Horizont auf: Im Energiewirtschaftsgesetz gibt es einen Passus, der die Abschaltung von Windrädern und Solaranlagen erlaubt, wenn zu viel Strom die Netze zum Kollabieren bringen könnte. In der Umwelt-Branche heißt es, es könne - angesichts des länger vorhandenen Atomstroms - künftig häufiger zu solchen „Sicherheitsabschaltungen“ durch Netzbetreiber kommen, die mit der Atomindustrie verbandelt sind.

„Eon ist der größte Netzbetreiber und versorgt auch noch vier Millionen eigene Kunden mit Strom“, sagt Lücking. Es sei wenig überraschend, dass es da zu Behinderungen neuer Anbieter komme. Das Lichtblick viele Anwälte mit Hemmnissen beim Anbieterwechsel beschäftigen müsse, sei nicht gerade kostensenkend. Der größte Ökostrom-Anbieter ist zu einem ernsthaften Konkurrenten geworden und hatte in den letzten beiden Geschäftsjahren Wachstumsraten von rund 14 Prozent. Derzeit hat er rund eine halbe Million Kunden, auch der Bundestag bezieht Lichtblick-Strom.

Binnen vier Wochen soll normalerweise ein Wechsel über die Bühne gehen. Lichtblick zeigt Eon und dem Netzbetreiber den Wechselwunsch des Kunden an, diese müssen das bestätigen. „Doch die Rückmeldungen kommt oft verspätet oder gar nicht.“ Der Kunde wisse nichts von diesen Hintergründen und schiebe Lichtblick als neuem Anbieter den schwarzen Peter zu. Auch Lekkerstrom nennt ähnliche Erfahrungen.

Der Bundesverband neuer Energieanbieter (bne) fordert nun eine stärkere Entflechtung der Verteilnetze. Nicht nur Eon Edis bevorzuge „unverhohlen seinen eigenen Stromvertrieb“, betont der bne. Dass derzeit alle Verteilnetzbetreiber, die knapp unter 100.000 Kunden Kunden ans Netz angeschlossen hätten - Stichwort Stadtwerke - nur unzureichend reguliert würden, sei ebenso problematisch. Ein Kompromiss wäre, dass nur noch Betreiber mit weniger als 10.000 Kunden in den Genuss geringer Regulierung kämen, sagt bne- Geschäftsführer Robert Busch.

Nachdem das Laufzeit-Plus am Dienstag im Kabinett durch war, hatte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zum Überraschung mancher Beobachter von einem Mehr an Wettbewerb gesprochen, den die Bundesregierung schaffe. Um das zu überwachen, wird eine Markttransparenzstelle geschaffen. Glaubt man den Beschwerden der neuen Anbieter, wird Brüderles Stelle reichlich zu tun haben.

dpa