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Deutschland / Welt Karstadt schließt fünf weitere Filialen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Karstadt schließt fünf weitere Filialen
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16:39 12.05.2015
Angeschlagen: Der Karstadt-Konzern. Quelle: dpa
Essen

Wieder ein "bitterer Tag" für die Karstadt-Beschäftigen: In fünf weiteren Karstadt-Warenhäusern sollen schon im nächsten Jahr die Lichter ausgehen. Die traditionsreiche Essener Warenhauskette sucht mit tiefen Einschnitten in ihr Filialnetz den Ausweg aus der Dauerkrise und sorgt damit bei den Betriebsräten und der Gewerkschaft Verdi für Empörung. "Mit dem heutigen Tag ist Vertrauen in die Eigentümer von Karstadt verloren gegangen", kritisierte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Karstadt, Hellmut Patzelt, nach der entscheidenden Sitzung des Aufsichtsrats am Dienstag. Bei den Beschäftigten herrsche nach den andauernden Restrukturierungswellen der Vergangenheit eine "tiefe Verunsicherung". Patzelt kündigte an, dass die Beschäftigten um die Filialen kämpfen werden.

Betriebsrat kritisiert Sparpolitik

Statt in das Warenhaus zu investieren und Zeit für die Umsetzung neuer Konzepte zu geben, stelle man nun Hunderte von Beschäftigten vor vollendete Tatsachen, klagte der Betriebsrat. Bisher bestehe der Kurs des neuen Karstadt-Eigentümer und der Geschäftsführung vor allem aus einer "rigiden Spar-und Kürzungspolitik auf dem Rücken der Mitarbeiter". Auch die Gewerkschaft Verdi äußerte scharfe Kritik. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger warf dem Karstadt-Eigentümer und Immobilieninvestor René Benko vor, die Verwertung der Immobilien in den Vordergrund zu stellen. Betroffen von den nun bekannt gewordenen Plänen sind die Warenhäuser in Bottrop und Dessau sowie die Filialen in Recklinghausen, Neumünster und Mönchengladbach-Rheydt. Sie stehen nun vor dem Aus. Derzeit betreibt Karstadt noch 83 Filialen. Nach Berechnungen von Verdi sind von den Schließungen insgesamt mehr als 500 Beschäftigte betroffen. Die bereits in diesem Jahr geplante Schließung von zwei Warenhäusern in Hamburg-Billstedt und Stuttgart sowie von jeweils zwei Schnäppchenmärkten und Filialen der auf junge Mode spezialisierten Kette K-Town hatte Karstadt-Chef Stephan Fanderl bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Herbst vergangenen Jahres angekündigt.

Seit Jahren rote Zahlen

Die Warenhauskette befindet sich seit Jahren in der Dauerkrise und hatte nach eigenen Angaben auch im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 rote Zahlen geschrieben. Gleichzeitig gingen die Umsätze zurück. Auch im wichtigen Weihnachtsgeschäft hatte Karstadt zuletzt über Umsatzeinbußen geklagt. Karstadt-Chef Fanderl bescheinigte dem Unternehmen zwar, "auf einem guten Weg" zu sein. Die Sanierung habe Karstadt jedoch bislang viel abverlangt. "Ohne zum Teil sehr schmerzliche Entscheidungen, wie die Schließung von Filialen ohne strategische Perspektive, können wir die Gesundung des Gesamtunternehmens nicht sichern", sagte er. Hauptproblem des Unternehmens bleibe weiter die Stabilisierung der Umsatzentwicklung, so der Handelsexperte Thomas Roeb. Nun müsse es auch darum gehen, an anderen wichtigen Stellschrauben wie Qualität und Preis zu drehen. Nach den aktuellen Beschlüssen rechne er in nächster Zeit zunächst nicht mit weiteren Filialschließungen. Wenn es nicht gelinge, die negative Entwicklung zu stoppen, sei dies jedoch auch künftig nicht ausgeschlossen.

In den Kommunen, die von der Schließung der Filialen betroffen sind, regte sich unterdessen der Widerstand gegen einen möglichen Kahlschlag in den Innenstädten. Die Stadt Mönchengladbach kündigte an, über einen Kauf der Karstadt-Immobilie durch die städtische Tochter EWMG nachzudenken. Denkbar wäre dann eine Vermietung der Immobilie an Karstadt, kündigte ein Sprecher an. Zu möglichen Konditionen wollte die Stadt jedoch keine Stellung nehmen. Auch die Stadt Bottrop stellte nach dem "absoluten Schock" ein "schnelles Handeln" in Aussicht.

dpa

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