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Deutschland / Welt Karstadt will 2000 Stellen abbauen
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21:22 16.07.2012
Karstadt will 2000 Stellen abbauen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Quelle: dpa
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Der Warenhauskonzern Karstadt plant rund zwei Jahre nach der Übernahme durch den deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen starke Einschnitte beim Personal. Bis Ende 2014 sollen 2000 Stellen wegfallen, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Der Standort Hannover ist davon offenbar kaum oder gar nicht betroffen.

„Unter den herausfordernden Marktbedingungen der Euro-Krise wird Karstadt seine Strukturen und Prozesse weiter vereinfachen und damit das Unternehmen langfristig auf die passende Größe bringen“, hieß es. Der Stellenabbau solle so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden – also vor allem auf dem Weg von Frühpensionierungen, durch Nichtverlängerung von befristeten Verträgen oder durch freiwilligen Austritt. „So schmerzhaft diese Maßnahmen für die betroffenen Mitarbeiter sind, so notwendig sind sie“, erklärte Karstadt-Chef Andrew Jennings.

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Derzeit hat der Konzern ungefähr 25.000 Beschäftigte in knapp 120 Häusern. Er war im Jahr 2010 von Berggruen aus der Insolvenz heraus übernommen worden. 2009 hatte das Unternehmen mit den Gewerkschaften einen Sanierungstarifvertrag abgeschlossen, der unter anderem den Verzicht auf Gehaltsbestandteile wie Weihnachts- und Urlaubsgeld festlegte. Ende August läuft dieser Vertrag jedoch aus, sodass die Beschäftigten wieder Anspruch auf die allgemeinen tarifvertraglichen Leistungen haben. Dies bringe den Mitarbeitern eine Entgeltsteigerung von acht Prozent, teilte Karstadt mit. Dem Unternehmen entstehen dadurch den Angaben zufolge Mehrkosten von 50 Millionen Euro im Jahr.

Seit der Übernahme seien schon 160 Millionen Euro in die Karstadt-Häuser investiert worden. Filialschließungen oder der Verkauf von Unternehmensteilen seien nicht geplant.

„Wir sind alle ziemlich geplättet“, sagte das hannoversche Betriebsratsmitglied Ralf Samtleben am Montagabend. „Offenbar versucht die Konzernleitung jetzt, auf diesem Weg etwas wieder hereinzuholen.“ Jetzt müsse die Belegschaft den Preis für die Umstellung auf den Flächentarifvertrag zahlen.

Insgesamt sind nach HAZ-Informationen 15 Häuser betroffen, alle sollen noch immer einen relativ hohen Personalbestand haben. Es treffe alle Bereiche „vom Abteilungsleiter bis zur Kassenkraft“, wie der Betriebsrat sagt. Hannover sei definitiv nicht dabei. „Aber man kann ja nie nie sagen“, sagt Samtleben.

Es soll jetzt weitere Prüfungen geben, nächste Woche tagt der Gesamtbetriebsrat. „Wir wollen betriebsbedingte Kündigungen verhindern“, sagt Samtleben. Der Personalabbau sei für das Unternehmen ohnehin schon schlimm genug: „Wenn es immer weniger Mitarbeiter werden, dann ist die Qualität bei der Kundenbetreuung schwer zu halten.“

Albrecht Scheuermann und Stefanie Kaune

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

16.07.2012
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Albrecht Scheuermann 18.07.2012