Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Viele Autoversicherungen werden teurer
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Viele Autoversicherungen werden teurer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 30.11.2013
Von Albrecht Scheuermann
Ende Juli beschädigte ein Hagelsturm in der Region Hannover auch zahllose Autos. Höhere Versicherungsprämien sind die Folge.
Ende Juli beschädigte ein Hagelsturm in der Region Hannover auch zahllose Autos. Höhere Versicherungsprämien sind die Folge. Quelle: Hagemann
Anzeige
Hannover

Deutschlands Autofahrer müssen sich auf weiter steigende Versicherungsprämien einstellen. Auch zum kommenden Jahreswechsel werden etliche Anbieter wieder an der Prämienschraube drehen. Wer rechtzeitig die Versicherung wechselt, kann jedoch oft viel Geld sparen. Deutschlands größter Autoversicherer für Privatkunden, die HUK Coburg, berichtet über einen ungünstigen Trend beim Schadensaufwand. „2013 ist das vierte Jahr in Folge ohne Entspannung bei den Schadenszahlen“, erklärte eine Sprecherin. Sie verwies auf die Hagelschäden sowie das Hochwasser, das im Juni an Donau, Elbe und weiteren Flüssen große Zerstörungen angerichtet hatte. „Unsere alten Tarifgenerationen stammen noch aus Zeiten mit ganz anderem Schadensniveau, da kommen wir um eine Anpassung nicht herum.“

Wie groß die Änderungen der Beiträge im Versicherungsbestand ausfallen, konnte die HUK Coburg allerdings nicht sagen. „Das hängt von zahlreichen Tarifmerkmalen ab.“ Einen Durchschnittsbetrag könne man nicht nennen. Allerdings betreffen mögliche Erhöhungen offenbar nur die Altkunden. „Unser Tarif im Neugeschäft ist nicht teurer als der jetzt gültige“, erklärte das Unternehmen.

Prämienerhöhungen planen auch andere Versicherungsunternehmen. „Aufgrund der bundesweiten Schadenentwicklung in der Autoversicherung, die maßgeblich von den Unwetterereignissen im Sommer dieses Jahres geprägt war, werden viele deutsche Autoversicherer zum Jahreswechsel die Tarife und Bestandsverträge teilweise deutlich anheben. Auch wir können uns dieser Entwicklung nicht entziehen und werden den aktuellen Verkaufstarif und unsere Bestandsverträge zum 1. Januar 2014 moderat anpassen“, teilte Niedersachsens Marktführer VGH mit. Im Durchschnitt müssten die VGH-Kunden 2014 rund 4,4 Prozent höhere Beiträge als derzeit für ihre Autoversicherung zahlen. In diesem Wert seien Änderungen bei den Typ- und Regionalklassen sowie und den Schadensfreiheitsrabatten bereits berücksichtigt. Dies dürfte bedeuten, dass die Anhebungen der Beitragstarife noch kräftiger ausfallen.

Wechsel kann Geld sparen

Die HDI in Hannover erhöht nach eigenen Angaben das durchschnittliche Tarifniveau im Neugeschäft um 2,7 Prozent. Für die durchschnittliche Veränderung der Prämien im Bestand lasse sich jedoch keine Zahl nennen, erklärte ein Sprecher. Andere Unternehmen zieren sich ebenfalls. Bei der Mecklenburgischen Versicherung in Hannover hieß es lediglich: „Wir werden weniger anpassen als der Markt.“ Die VHV in Hannover will „Anpassungen auf Marktniveau“ vornehmen. Je nach Kunde seien sowohl Beitragssenkungen als auch -erhöhungen möglich.

Wer mit einer Prämienerhöhung nicht einverstanden ist, kann zu einem anderen Anbieter wechseln. Die Beitragsunterschiede sind enorm, wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest unlängst ergab. Bei den getesteten Beispielfällen waren die Prämien der teuren Anbieter zum Teil dreimal so hoch wie die billigsten Angebote. In der Regel lässt sich ein Versicherungsvertrag zum 30 . November kündigen, wenn der Vertrag jeweils zum Jahresende ausläuft und verlängert wird. Die Kündigung muss in diesem Jahr also spätestens am kommenden Sonnabend dem Versicherer vorliegen.

Allerdings haben viele Versicherungsnehmer mehr Zeit. Bei Prämienerhöhungen besteht nämlich immer ein Sonderkündigungsrecht. Dann hat der Kunde einen Monat nach Zugang der Rechnung Zeit für eine Kündigung. Dabei kommt es übrigens nicht darauf an, ob die Rechnung tatsächlich höher ausfällt als bisher. Schließlich kann ein höherer Schadensfreiheitsrabatt die Prämienanhebung kompensieren. Entscheidend ist nur die Veränderung der Tarifprämie.

Ergebnisse deutlich verbessert

Die Autoversicherung ist nach der Lebens- und der privaten Krankenversicherung die drittwichtigste Sparte der deutschen Versicherungswirtschaft. Vergangenes Jahr kletterten die Prämien in diesem Bereich um 5,3 Prozent auf knapp 22 Milliarden Euro. Zugleich gingen nach den Statistiken des Branchenverbandes GDV die Leistungen um 1,1 Prozent zurück, so dass sich das versicherungstechnische Ergebnis – das Verhältnis von Schadenaufwand zu Beitragseinnahmen – spürbar auf 92,1 Prozent verbesserte. Im Jahr zuvor hatte es noch 98,1 Prozent, im Jahr 2010 sogar 99,6 Prozent betragen. Die „kombinierte Schaden/Kostenquote“, die neben den Schäden auch die Verwaltungskosten berücksichtigt, lag aber 2012 mit 102,6 Prozent immer noch über 100  Prozent. Auf einen Euro Beitrag kommt also im Schnitt mehr als ein Euro Aufwand. Früher war dies kein Problem, da die Kapitalerträge die Unterdeckung locker wettmachten. Die Branche verweist jedoch darauf, dass mittlerweile wegen der Niedrigzinsen ihre Kapitaleinnahmen stark gesunken sind.

26.11.2013
Deutschland / Welt Krebsmittelspezialist Algeta im Visier - Bayer plant Milliarden-Kauf in Norwegen
26.11.2013