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Deutschland / Welt Kfz-Policen sollen teurer werden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Kfz-Policen sollen teurer werden
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07:38 18.10.2011
An ihren Kfz-Policen haben die Versicherer wegen vieler Schäden meist nichts verdient. Quelle: dpa (Symbolbild)
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München

In den Jahren zuvor haben sich die Policen verbilligt, im Schnitt um 15 Prozent seit 2005.

Für die Branche war das desaströs: Die rund 100 hierzulande aktiven Autoversicherer häuften allen im vergangenen Jahr 1,5 Milliarden Euro Verlust an. Für das laufende Jahr rechnet der GDV mit einem kollektiven Minus von 1,1 Milliarden Euro. Nun sei die Schmerzgrenze erreicht, heißt es.

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Um branchenweit wieder Gewinn zu erwirtschaften, dürfte der erhoffte Prämienanstieg aber nicht ausreichen, warnt die Allianz. Für kommendes Jahr hätten die Experten bereits einen Anstieg der Schäden von knapp 5 Prozent prognostiziert – unter dem Strich könnte damit also wieder ein Verlust stehen.

Die Allianz ist bei der Kfz-Versicherung ein Schwergewicht, aber nicht länger die Nummer eins. Die Marktführerschaft in Deutschland hat sie 2010 gemessen an der Zahl der Policen an die HUK Coburg verloren. Die hat in Deutschland 8,41 Millionen Fahrzeuge versichert, die Allianz 8,18 Millionen Autos. Gemessen an Prämieneinnahmen liegen die Münchener noch vorn.

„Das zeigt, dass sie nicht billig sind“, sagt Verbraucherschützer Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV). Taktik der Allianz sei es deshalb, Vergleichen aus dem Weg zu gehen oder sie zu erschweren, um weitere Verluste von Marktanteilen zu vermeiden.

Für die Kunden könnte es jedoch nicht nur teurer werden, sondern auch komplizierter. So hat die Allianz eine neue Schadenfreiheitsstaffel eingeführt. Bislang war bei „SF 25“ und meistens bei 30 Prozent des vollen Tarifs Schluss mit Rabatten für unfallfreies Fahren, für Fahranfänger waren Tarife von 140 Prozent oder mehr die Regel. Die neue Allianz-Staffel läuft dagegen bis „SF 35“ (25 Prozent) und beginnt mit „SF0“ (100 Prozent). Erste Konkurrenten haben bereits nachgezogen.

Auf den ersten Blick suggerieren die niedrigeren Prozentzahlen, dass es billiger wird. Das müsse aber nicht so sein, sagt Ivana Höltring von der Unternehmensberatung Nafi aus Höxter: „Glauben Sie den Versprechungen der Kfz-Versicherer nicht, rechnen Sie nach, vieles ist Augenwischerei.“ 20 Prozent klinge erst mal nach weniger als 30 Prozent. Wenn aber der Basistarif vorher höher festgelegt werde, könne es am Ende mehr kosten. Auch die Expertin ist sicher, dass die Tarife in Euro und Cent in diesem Herbst teurer werden. Die neuen Staffeln würden Vergleiche erschweren und unter dem Strich nur in Ausnahmefällen Vergünstigungen bringen. „Es wird keine zwei Jahre dauern, dann haben das alle, nur nicht einheitlich“, sagt Höltring zum neuen Staffelsystem. Pauschale Aussagen über den günstigsten Versicherer seien schon jetzt unmöglich, und künftig werde es noch komplizierter, den Tarif-dschungel zu durchblicken. „Der Phantasie der Unternehmen sind keine Grenzen gesetzt“, sagt die GDV-Sprecherin.