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Deutschland / Welt System lädt zum Tricksen ein
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt System lädt zum Tricksen ein
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19:10 20.12.2018
Verspätungen, Tarifverhandlungen und nun auch noch Hacker – die Bahn kämpft zurzeit an vielen Fronten.
Verspätungen, Tarifverhandlungen und nun auch noch Hacker – die Bahn kämpft zurzeit an vielen Fronten. Quelle: dpa
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Hannover

Für die Bahn kommt es derzeit knüppeldick. Die Kunden fluchen über Verspätungen, die Lokführer streiken vielleicht bald wieder, der Bund als Eigentümer macht Druck – und jetzt wurde der Bahn-Konzern auch noch von Hackern ausgetrickst. Die Kriminellen haben die Konten unbescholtener Kunden gekapert, in deren Namen teure Tickets gekauft, diese storniert, dafür Gutscheine eingesackt und weiterverkauft.

Den Schaden haben erstens die gehackten Kunden. Ihnen wurden zum Teil über 2000 Euro für Erste-Klasse-Tickets abgebucht, sie müssen sich nun um die Erstattung kümmern. Zweitens können alle Kunden keine Sparpreisfahrkarten mehr per Lastschrift kaufen. Die Bahn hat die bequeme Bezahlmethode gesperrt, um die Betrüger zu stoppen. Die Kunden baden also den Fehler der Bahn aus.

Denn der Staatskonzern hat es den Angreifern unnötig leicht gemacht. Früher wurde das Geld für stornierte Tickets in Euro auf das ursprüngliche Konto überwiesen – nun gibt es Gutscheine, die abgefangen werden können. Das System lädt zum Tricksen ein. Obendrein ist es weniger kundenfreundlich.

Hinzu kommt ein altbekanntes Internet-Problem: Viele Nutzer sind zu bequem, ihre E-Mail-Konten vernünftig abzusichern. Werden diese Konten gehackt, kommen Kriminelle leicht an andere Accounts wie nun bei der Bahn. Doch es wäre falsch, dafür den Kunden die Schuld zu geben. Anbieter müssen die Nutzer zu mehr Vorsicht zwingen, auch auf Kosten der Bequemlichkeit. Machen die E-Mail-Firmen ihre Hausaufgaben nicht, müssen eben Unternehmen wie die Bahn selbst mehr Sicherungen einbauen.

Von Christian Wölbert