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Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Deutsche beim Konsum in Weltmeisterform
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22:39 25.06.2014
Die Deutschen sind wieder in Konsumlaune. Quelle: dpa
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Nürnberg

Grund sei die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) den Leitzins im Euroraum noch weiter zu senken. Die Folge: Statt zu sparen, geben die Menschen ihr Geld lieber aus.

Der GfK-Konsumklimaindex für Juli stieg dadurch von revidiert 8,6 auf 
8,9 Punkte – das ist der höchste Stand seit Dezember 2006. Die Bürger schätzen die konjunkturelle Entwicklung so positiv ein wie seit drei Jahren nicht. „Das ist nach wie vor auf die sehr günstigen inländischen Rahmenbedingungen zurückzuführen“, erklärte GfK-Experte Rolf Bürkl. So sei die Lage auf dem Arbeitsmarkt bereits seit Längerem gut, die Inflationsrate niedrig und die Investitionsbereitschaft hoch. „Was jetzt aktuell hinzugekommen ist, ist die EZB-Entscheidung, den Leitzins noch einmal zu senken“, erklärte Bürkl. Allein die Ankündigung reiche bei den Verbrauchern für die Schlussfolgerung: „Jetzt ist es noch weniger ratsam zu sparen.“

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Mit ihrer Bereitschaft zum Shoppen, Reisen und Renovieren stützen die Verbraucher zugleich die hiesige Wirtschaft. „Die weiterhin günstige Verbraucherstimmung und die merklichen Lohnsteigerungen beleben den privaten Konsum und stützen die konjunkturelle Dynamik“, urteilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Die Experten erwarten für das zweite Quartal ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.

Die GfK rechnet für 2014 mit einer Zunahme des privaten Konsums um real 1,5 Prozent, warnt aber: „Ein unberechenbarer Risikofaktor für die Konjunktur bleibt die Entwicklung der internationalen Krisenherde.“ Eine spürbare Eskalation in Ländern wie Syrien, dem Irak oder der Ukraine dürfte sich auch auf die Konjunkturstimmung in Deutschland auswirken. Besonders der Vormarsch der islamistischen Isis-Miliz im Irak könnte Folgen für die Verbraucherstimmung haben. Bereits in den vergangenen Tagen hatten die Gebietsgewinne der extremistischen Isis-Gruppe die Preise an den Zapfsäulen in die Höhe getrieben. Allerdings liegen die Kosten für Benzin und Diesel noch immer unter den Spitzenwerten des vergangenen Jahres.

Für Hannover zeigt sich kein eindeutiger Trend. „Ich höre immer, dass die Menschen weniger sparen wollen, aber der Konsum steigt kaum an“, sagt Ullrich Thiemann, Geschäftsführer des Handelsverbands Hannover. Auch Hannovers Kaufleute bewerten die Lage unterschiedlich. „Die Geschäfte laufen im Vergleich zum Vorjahr gut“, sagt Sebastian Rechenbach, Geschäftsführer bei I.G. von der Linde. Beim Mäntelhaus Kaiser spürt man nichts von Euphorie. Seit der Verschärfung der Krisen im Nahen Osten gehe die Nachfrage zurück.

Milliardenschaden durch Ladendiebe

Einzelhändler in Sorge: Ladendiebe und unehrliche Mitarbeiter haben 2013 bundesweit für mehrere Milliarden Euro Waren geklaut und damit die Branche massiv geschädigt. Das geht aus einer Studie des Handelsforschungsinstituts EHI hervor. Beliebte Artikel sind dabei erfahrungsgemäß kleine, teure Waren wie Parfums, Rasierklingen, Brillen oder Smartphones. Der Handelsverband Deutschland HDE forderte eine härtere Bestrafung der Diebe.

Bisher stellten die Staatsanwaltschaften ihre Ermittlungen bei Ladendiebstählen zu häufig wegen Geringfügigkeit ein. Viele Händler sähen deshalb schon keinen Sinn mehr in einer Anzeige von Ladendieben. Das müsse sich ändern, erklärte der HDE. Der Verband fordert eine gesetzlich festgeschriebene Bagatellgrenze von 
25 Euro. Damit solle erreicht werden, dass gravierendere Diebstähle auch wirklich verfolgt würden.

Insgesamt summierten sich die Warenverluste inklusive Mehrwertsteuer im vergangenen Jahr auf 3,9 Milliarden Euro – davon 2,1 Milliarden durch Ladendiebe und 1,2 Milliarden durch Mitarbeiter und Lieferanten, hieß es in der Studie. Das ist etwas mehr als im Vorjahr (3,8 Milliarden Euro). Die restlichen 600 Millionen Euro Inventurschwund entstehen durch organisatorische Mängel wie Fehlbuchungen, verlegte Ware oder Fehletikettierungen.

Von Elke Richter und Andreas Schinkel

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