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Deutschland / Welt Kosmetikfirma wirbt mit Al-Qaida-Terrorist
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Kosmetikfirma wirbt mit Al-Qaida-Terrorist
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22:19 06.11.2014
Von Jens Heitmann
Foto: Tiefer gehende Gedanken abgeschminkt: Al-Qaida-Anführer als Werbeikone.
Tiefer gehende Gedanken abgeschminkt: Al-Qaida-Anführer als Werbeikone. Quelle: Screenshot
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Der Mensch, der männliche zumal, hat zu seinen Haaren ein gespaltenes Verhältnis: Sobald der Schopf auf dem Kopf sich lichtet, bekämpft er die Freiräume nach Kräften mit Tinkturen oder gar Implantaten. Spätestens unterhalb des Kinns jedoch verkehrt sich das Problembewusstsein ins Gegenteil: Je jünger der Kerl, desto freier haben Brust und Bein zu sein. Von allein geht das allerdings nicht, warnt nun ein türkischer Kosmetikhersteller: „Vom Abwarten geht das Haar nicht weg!“

So richtig die Firma mit diesem Hinweis liegt, so sehr hat sie bei der Auswahl ihres Models danebengegriffen: Dem nur im Stirnbereich kahlen Schnauzerträger ist mehr vorzuwerfen als ein nachlässiger Umgang mit dem Rasiermesser – Khalid Scheich Mohammed gilt als Chefplaner der Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001.

„Wir wussten nicht, dass das ein Terrorist ist“, sagte der Unternehmenssprecher der türkischen Zeitung „Hürriyet Daily News“. Das Bild sei in Internetforen ziemlich populär, oft in Zusammenhang mit Witzen über Schlaflosigkeit. „Der Typ ist ziemlich behaart – da dachten wir, das würde gut zu unserer Werbung passen.“ Tiefer gehende Gedanken, über die Urheberrechte an dem Foto beispielsweise, hat sich die Firma abgeschminkt.

Bei einer geringfügig intensiveren Recherche hätte man sonst schnell herausgefunden, das der Scheich zurzeit weitaus größere Sorgen hat als seinen Haarwuchs: Der Al-Qaida-Anführer wurde 2003 in Pakistan festgenommen und sitzt seither im kubanischen Küstengefängnis Guantanamo. Seit zwei Jahren wird ihm vor einem Militärgerichtshof der Prozess gemacht, der mit der Todesstrafe enden könnte. Das haarige Foto hat im Übrigen die CIA bei seiner Festnahme geknipst – 2012 ist es in einem Buch über die Jagd nach den Topterroristen erschienen.

Der türkischen Kosmetikfirma ist ihr Missgriff inzwischen äußerst peinlich. „Wir wollten in der Werbung nichts Politisches implizieren“, sagte der Unternehmenssprecher. „Wir haben ihn wegen seines Haares ausgewählt, nicht wegen des Terrors.“     

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