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Deutschland / Welt Kritik an Banken nach Missbrauch von Kreditkartendaten
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Kritik an Banken nach Missbrauch von Kreditkartendaten
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20:11 18.11.2009
Reaktion auf Datenklau: Mastercard und Visa tauschen Tausende Kreditkarten aus Sicherheitsgründen gegen neue aus. Quelle: ddp
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Offenbar waren bei einem Dienstleister von Visa und Mastercard in Spanien Daten abhandengekommen und missbraucht worden.
Die Kreditkartenfirmen hatten die Banken vor etwa vier Wochen über ein mögliches Leck informiert. Doch erst in den vergangenen Tagen ist eine Umtauschaktion von gefährdeten Karten publik geworden. Über 100 000 Kunden sind deutschlandweit bei allen Banken betroffen. In einzelnen Fällen hingen Kunden gestern über eine Stunde in Warteschleifen, um sich bei ihren Banken zu informieren.

„Wer schon so lange über das Problem Bescheid weiß, sollte in der Lage sein, seine Kunden umfassend aufzuklären“, sagte Manfred Westphal, Finanzexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Ärgerlich war für viele Kartennutzer, dass Kreditkarten ohne Benachrichtigung gesperrt wurden und dadurch Probleme beim Bezahlen aufgetreten sind. Die Postbank teilte mit, dass es Kundenbeschwerden über Unregelmäßigkeiten und Fehlbeträge gegeben habe und auch die Bank selbst verdächtige Zahlungen entdeckt habe.

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Aber weder dem Bundeskriminalamt in Wiesbaden noch dem Landeskriminalamt Niedersachsen lagen am Mittwoch Angaben über Schadenfälle in Deutschland vor. Im Gegensatz zur Kriminalität mit manipulierten Karten habe jedoch der „Datenabgriff“ auf elektronischen Weg Konjunktur. „Das ist ein Wachstumsmarkt“, sagte eine Sprecherin des Bundeskriminalamts. Man beobachte „arbeitsteilig vorgehende, international agierende Tätergruppen“. Zum aktuellen Fall sei aber nichts bekannt.

Über die Zahl der jetzt betroffenen Kunden gab die Postbank keine Auskunft. Die Karten seien gesperrt und ausgetauscht worden. An welcher Stelle die Daten abhandengekommen sind, bestätigten weder Mastercard noch Visa offiziell. Doch ist die Suche wohl auf einen Dienstleister in Spanien fokussiert, der die Daten zwischen Einzelhandel und Bank bearbeitet. Wie genau und in welchem Umfang der Datendiebstahl zustande gekommen war, ist weiterhin unbekannt. Nach Angaben des VZBV haben „anscheinend entweder Mitarbeiter die sensiblen Daten entwendet oder Hacker sich von außen Zugang zu einem Server verschafft“.

„Im Betrugsfall kann die Bank leicht auf dem mit einer Kreditkarte angerichteten Schaden sitzen bleiben“, sagt Jürgen Oechsler, Professor für Wirtschaftsrecht an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Für das Geldinstitut sei es nur möglich, sich einen Teil des Schadens vom Kreditkartenunternehmen oder dem eingeschalteten Datenverarbeiter zurückzuholen, wenn diesen Fahrlässigkeit im Umgang mit den Daten nachgewiesen werden könnte. Selbst nach einem großen Datenleck wie dem in Spanien sei dieser Beweis nicht leicht zu erbringen. Denn die Rechtssprechung verweise regelmäßig darauf, dass die Daten auch an anderer Stelle ausgespäht worden sein könnten.

Von Martin Dowideit und Helmuth Klausing