Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Kritik an Personalentscheidung Roland Koch wird laut
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Kritik an Personalentscheidung Roland Koch wird laut
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:19 31.05.2011
Roland Koch tritt bei Bilfinger Berger in große Fußstapfen. Quelle: dpa
Anzeige

Eine ungewohnte Rolle für Roland Koch: Bei der Hauptversammlung des Baukonzerns Bilfinger Berger spielt der frühere CDU-Ministerpräsident Hessens nur die zweite Geige. Schlimmer noch: Er muss am Dienstag in Mannheim die Lobeshymnen auf den scheidenden Konzernchef Herbert Bodner über sich ergehen lassen, in dessen Fußstapfen er am 1. Juli tritt. Und mit jedem Lob werden die Schuhe für Koch größer.

Die Kritik an der Personalentscheidung Koch ist unüberhörbar, auch wenn sie mit einem scherzhaften Unterton vorgetragen wird wie vom Aufsichtsratsvorsitzenden Bernhard Walter: „So einen Kapitän hat man anscheinend nicht mehr gefunden. Da hat man einen Berufsfremden angeheuert: einen Koch.“ Auch Hans Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger bemüht das Wortspiel mit dem Namen: „Bislang hat Bodner gekocht, jetzt muss Koch selbst kochen.“

Anzeige

Was auf den Tisch kommen soll, ist für alle klar: Bodner hat in seinen zwölf Jahren an der Spitze den Konzern kontinuierlich zu einem Dienstleister umgebaut und das Ergebnis verzehnfacht. Zuletzt lag der Umsatz bei 8,1 Milliarden Euro, der Gewinn bei 284 Millionen Euro. Der Wert der Aktie hat sich seit 1999 von 30 Euro auf knapp 70 Euro mehr als verdoppelt.

„Herr Bodner verabschiedet sich mit 50 Cent mehr Dividende für uns, wie wollen Sie uns denn begrüßen, Herr Koch?“, fragt Buhlmann. In eine ähnliche Richtung zielt auch Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger: „Ich hoffe, sie sind bereits in ihre neue Aufgabe hineingewachsen, Herr Koch. Wir möchten nämlich keinen Rückschritt erleiden.“

Den 63 Jahre alten Bodner bedenken die Aktionäre mit einem „großen Sack mit Dank“. Am liebsten würden sie ihn gar nicht gehen lassen. Immer wieder wird die Forderung laut, dass er doch in zwei Jahren, nach der vorgeschriebenen Schamfrist, als Aufsichtsratschef zurückkehren soll. Bodner lässt mit keiner Regung erkennen, was er davon hält. Allerdings gibt es Anzeichen, dass er es mit dem Ruhestand durchaus ernst meint - so hat er auch seinen Posten als Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie aufgegeben.

Koch, seit März im Vorstand, folgt der Versammlung weitgehend ungerührt, nur manchmal nervös auf den Lippen kauend. Die Forderung mehrerer Aktionäre, doch endlich seine Visionen darzulegen, nimmt er mit einem leisen Lächeln entgegen - und schweigt. Aufsichtsratschef Walter nimmt ihn in Schutz und wirbt um Verständnis: „Regierungserklärungen gibt man ja auch erst dann ab, wenn man an der Regierung ist.“

Am Rande der Versammlung nimmt Koch schließlich doch kurz Stellung dazu, wie er seine künftige Aufgabe erfüllen will. Die Umgestaltung des Konzerns in Richtung Dienstleistung soll weitergehen, auch mit Zukäufen. Das Unternehmen soll internationaler werden. „Meine Herausforderung ist nun, die unterschiedlichen Anteile zu einem Ganzen zusammenzufügen“, sagt Koch. Bilfinger Berger habe sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. „Aber wir haben auch noch einige Bewährungsproben zu bestehen.“

Dabei kann Koch, anders als sein Vorgänger, auch auf weibliche Unterstützung setzen. Die Versammlung wählte mit der Dänin Lone Fønss Schrøder erstmals eine Frau von der Kapitalseite in den zwölfköpfigen Aufsichtsrat.

dpa