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Deutschland / Welt Lidl entlässt Deutschland-Chef
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Lidl entlässt Deutschland-Chef
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22:57 06.04.2009
Die Supermarkt-Kette Lidl hat wegen der jüngsten Datenschutz-Affäre ihren Deutschland-Chef Frank-Michael Mros entlassen.
Die Supermarkt-Kette Lidl hat wegen der jüngsten Datenschutz-Affäre ihren Deutschland-Chef Frank-Michael Mros entlassen. Quelle: Gerit Borth/ddp
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Der Discounter entließ Deutschland-Chef Frank-Michael Mros, wie das Unternehmen in Neckarsulm mitteilte. Der "Spiegel" hatte berichtet, dass Krankheiten von Lidl-Angestellten in firmeninternen Unterlagen festgehalten wurden.

Der 45-jährige Mros werde mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden, erklärte das Unternehmen. Damit ziehe der Vorstand die Konsequenzen "aus den jüngsten Vorwürfen zum Datenschutz". Nachfolger wird der Lidl-Manager Jürgen Kisseberth. Der 59-Jährige war nach Unternehmensangaben seit über zwei Jahrzehnten in unterschiedlichen leitenden Funktionen bei Lidl tätig.

Der Deutschland-Chef ist Teil des Lidl-Vorstands. Vorstandschef von Lidl ist derzeit Karl-Heinz Holland. Der mächtigste Mann des Supermarkt-Konzerns ist allerdings der Aufsichtsratschef der Lidl-Stiftung, Klaus Gehrig.

Laut dem "Spiegel"-Bericht verwendete Lidl Formulare, in denen der "Grund der Krankheit" von Mitarbeitern eingetragen werden sollte. Durch einen Zufall wurden dem Bericht zufolge mehrere hundert Seiten firmeninterner Unterlagen in einer Mülltonne in Bochum entdeckt.

In den Kopien soll dort über eine Mitarbeiterin, die im Juni vergangenen Jahres krank geschrieben war, stehen: "Will schwanger (werden). Befruchtung nicht funktioniert". Über eine andere Mitarbeiterin, die ebenfalls im Juni krank gemeldet war, findet sich demnach als Grund nur "Psychologe" und unter anderem die Anmerkung "Kündigung zum 31.7.08".

Alle Einträge stammen dem Bericht zufolge aus der Zeit nach der Entdeckung von Spitzelmethoden durch Detektive im vergangenen Jahr. Lidl-Deutschland-Chef Mros hatte zuvor gegenüber dem "Spiegel" die Existenz der Krankenformulare nicht bestritten. Er hatte dabei versichert, dass diese seit Mitte Januar nicht mehr verwendet würden.

Lidl gerät derweil in der Datenschutzaffäre unter den Druck der Behörden. Datenschützer hätten der Lidl-Zentrale eine umfangreiche Fragenliste geschickt, die das Unternehmen bis Ende kommender Woche beantworten müssen, berichtete "Spiegel Online". Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hatte die Notizen zuvor als "äußerst kritisch" bezeichnet. Er regte die zuständigen Aufsichtsbehörden an, den Fall zu prüfen.

afp