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Deutschland / Welt „Lohn reicht nicht einmal zum Leben“
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt „Lohn reicht nicht einmal zum Leben“
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11:57 10.08.2012
Von Albrecht Scheuermann
Callcenter-Mitarbeiter aus Halle demonstrieren vor dem Sparkassen-Verband Niedersachsen. Quelle: dpa
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Hannover

Der Aufsichtsratsvorsitzende von S Direkt, Günter Distelrath, führt nämlich im Hauptberuf die Geschäfte des SVN. Da er jedoch im Urlaub ist, stellte sich SVN-Präsident Thomas Mang den lautstark Protestierenden.

Ihre Forderung klingt alles andere als unbescheiden: Die zuständige Gewerkschaft ver.di verlangt den Abschluss eines Tarifvertrages mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro – mit der Perspektive einer späteren Aufstockung auf 9 Euro. Bislang erhalten die S-Direkt-Mitarbeiter häufig nur 7,38 Euro oder 1280 Euro im Monat. Dies reiche in vielen Fällen nicht einmal zum Leben, klagt die Gewerkschaft.

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Die Sparkassen hätten in den vergangenen Jahren gute Geschäftsergebnisse erzielt. „Vor diesem Hintergrund stellt es die Verhältnisse auf den Kopf, dass öffentlich-rechtliche Sparkassen ein Unternehmen in ihrem Verbund unterhalten, bei dem ein Teil der Beschäftigten staatliche Aufstockungsleistungen zusätzlich zu ihrem Vollzeitgehalt in Anspruch nehmen muss“, erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Beate Mensch.

S Direkt bietet den deutschen Sparkassen zentrale Leistungen wie zum Beispiel den bundesweiten Sperrnotruf an und fungiert für etwa 200 deutsche Sparkassen als Callcenter-Agent. Die 800 Mitarbeiter nehmen also im Auftrag der angeschlossenen Institute Kundenanrufe entgegen und geben Aufträge weiter. S Direkt unterhält auch eine Filiale mit rund 50 Beschäftigten in Laatzen. Diese ist von dem Tarifkonflikt nicht unmittelbar betroffen, da für diese Niederlassung ein ver.di-Haustarifvertrag mit wesentlich besseren Bedingungen gilt. Dennoch sind laut Gewerkschaft in der kommenden Woche auch in Laatzen „Solidaritätsstreiks“ zu erwarten.

Bei S Direkt gibt es bislang nach Angaben von Georg Meister vom ver.di-Landesverband Niedersachsen keinen Tarifvertrag. Die Löhne seien seit 15 Jahren nicht erhöht worden. Vergleichbare Callcenter-Mitarbeiter in den Sparkassen verdienten tarifvertraglich 2100 Euro pro Monat – also gut 60 Prozent mehr als die Kollegen beim zentralen Sparkassen-Dienstleister in Halle.

SVN-Präsident Thomas Mang äußerte im Gespräch mit der HAZ Verständnis für den Unmut der Beschäftigten. Auch die Forderung von 8,50 Euro pro Stunde gehe grundsätzlich „in Ordnung“. Allerdings sollte die Erhöhung nicht in einem Schritt, sondern stufenweise erfolgen. „Wir sind zu einem Kompromiss bereit“, erklärte Mang. Dass Löhne unter Umständen nicht zum Leben ausreichen, sei allerdings ein grundsätzliches Problem, das die Politik lösen müsse. Der SVN-Präsident betonte, dass der Geschäftsbetrieb von S Direkt trotz der Proteste weitgehend ungestört verlaufen sei.

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