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Deutschland / Welt Lohnlücke zwischen Männern und Frauen wird wieder größer
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Lohnlücke zwischen Männern und Frauen wird wieder größer
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18:29 12.11.2009
Frauen in Deutschland verdienen weiterhin fast ein Viertel weniger als Männer. Der durchschnittliche Brutto-Stundenlohn von Frauen lag im vergangenen Jahr bei 14,51 Euro - 23 Prozent weniger als bei Männern. Quelle: ddp
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In Ostdeutschland allerdings wurde die Lohnlücke kleiner, Frauen verdienen hier nur fünf Prozent weniger als Männer.

Seit Jahren liegt den Angaben der Statistiker zufolge der prozentuale Unterschied beim durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern bei 23 Prozent. Ein Grund sei, dass in Branchen mit hohen Lohnunterschieden meist Männer in leitenden Positionen oder als Fachkräfte arbeiten. Weitere Ursache ist die im europäischen Vergleich die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland: Frauen tragen hierzulande meist die Hauptlast bei der Familienarbeit. Die Berufswahl - typische Frauenberufe werden schlechter bezahlt als typische Männerberufe - und die häufige Teilzeitarbeit von Frauen sind weitere Gründe.

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Besonders groß ist der Lohnunterschied laut Statistik bei den Freiberuflern, bei wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen - hier beträgt er 34 Prozent. Auch wer als Künstler, in der Unterhaltungs- und Erholungsbranche arbeitet, bringt als Frau im Schnitt 31 Prozent weniger Geld nach Haus. Und weibliche Finanz- und Versicherungsberater verdienen der Statistik zufolge 29 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Auffallend ist der große Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland: In den alten Bundesländern und Berlin verdienen Frauen laut Statistik 25 Prozent weniger als Männer - in den neuen Bundesländern beträgt der Lohnunterschied nur fünf Prozent. Im Westen wurde die Lücke 2008 um einen Prozentpunkt größer, im Osten schrumpfte sie um einen Prozentpunkt.

Angesichts der unverändert großen Kluft bei der Entlohnung von Frauen und Männern bekräftigen Geschäftsfrauen ihre Forderung nach gesetzlichen Regelungen. Das Thema werde noch zu wenig ernst genommen, obwohl in jeder fünften Familie mittlerweile die Frau die Haupternährerin sei, erklärte Dagmar Bischof, Präsidentin des Vereins Business and Professional Women (BPW) Germany. Auch Altersarmut sei angesichts von Erwerbsunterbrechungen und niedrigen Löhnen vor allem ein Thema, das Frauen betreffe. Die politische Debatte um das Betreuungsgeld kritisierte Bischof in diesem Zusammenhang als "definitiv das falsche Signal".

afp