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Deutschland / Welt Lohnt sich jetzt der Aktienkauf?
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Lohnt sich jetzt der Aktienkauf?
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00:23 09.04.2015
Von Stefan Winter
Die Geldpolitik der EZB, der Ölpreis und die Krise in Russland: Aktienanleger müssen viel beachten.
Die Geldpolitik der EZB, der Ölpreis und die Krise in Russland: Aktienanleger müssen viel beachten. Quelle: Frank Rumpenhorst
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Es sollte ein schlechtes Börsenjahr werden - hieß es jedenfalls im Dezember 2014. Doch zumindest das erste Viertel verlief glänzend, um mehr als 20 Prozent ist der Dax auf rund 12 000 Punkte gestiegen. Das rückt die von Privatanlegern jahrelang verschmähte Aktie jetzt wieder in den Blickpunkt. Wie immer in solchen Momenten ist das schnelle Geld wohl nicht mehr drin. Doch angesichts niedriger Zinsen gehören Aktien zur langfristigen Geldanlage. Die wird damit allerdings komplizierter.

Warum sind die Kurse gestiegen?

Wichtigster Treiber ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Sie stellt extrem viel Geld zur Verfügung, für das es wegen der niedrigen Zinsen wenig attraktive Anlagemöglichkeiten gibt. Weil es den Unternehmen gut geht und die Gewinne steigen, wird viel Geld in Unternehmensbeteiligungen angelegt, also vor allem in Aktien.

Gibt es auch Verlierer?

Auch in den besten Börsenzeiten können Anleger auf das falsche Pferd setzen. Unter den 30 größten Werten haben Eon, RWE und Lufthansa im ersten Quartal Kursverluste erlitten. Bei kleineren Werten sind Risiken und Chancen noch deutlich größer, weil ihr Kurs weniger vom Gesamtmarkt und stärker von der Unternehmensentwicklung beeinflusst wird.

Wie beurteilt man den Wert einer Aktie?­

Es gibt diverse Kennziffern, die Einschätzungshilfen liefern. Die gängigste ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das den Preis einer Aktie ins Verhältnis setzt zum Unternehmensgewinn des vergangenen oder zum erwarteten Gewinn des laufenden Jahres - ebenfalls bezogen auf eine Aktie. Nach dem gleichen Prinzip wird das Kurs-Buchwert-Verhältnis errechnet (KBV). Es gibt den Aktienpreis in Relation zu den Vermögenswerten in der Bilanz an. Für beide gilt: Je niedriger der Wert, desto günstiger ist die Aktie bewertet. Für Anleger ebenfalls wichtig ist die Dividendenrendite, also das Verhältnis der Gewinnausschüttung je Aktie zum Kurs. Hier gilt: Je höher, desto besser. Solche Kennzahlen können nur Hinweise geben, in ein Urteil müssen auch Strategie, Besitzverhältnisse und Perspektiven der jeweiligen Branche einfließen.

Sind Aktien schon zu hoch bewertet?

Die Luft wird dünn, darin sind sich die Experten einig. Von einer Aktienblase spricht aber noch niemand. Rückschläge bei den Kursen werden bisher regelmäßig wieder für Käufe genutzt. Die Deutsche Bank sieht in einer aktuellen Studie noch „begrenztes Aufwärtspotenzial“ und stellt sich auf sehr bewegte Börsenmonate ein. „Übertreibungen und Korrekturen - in diesem Jahr ist noch vieles möglich“, sagt Anlagestratege Asoka Wöhrmann.

Was spricht für steigende Kurse?

Die treibenden Kräfte der Vergangenheit wirken weiter. Eine Änderung der EZB-Politik ist nicht absehbar. Sie hat den erwünschten Nebeneffekt, dass der Euro-Kurs gefallen ist, was vielen Exportunternehmen höhere Gewinne bringen dürfte. Gleichzeitig ist Öl billiger als erwartet. Jüngste Daten zeigen, dass die Konjunktur in Europa langsam wieder besser in Gang kommt.

Was spricht für fallende Kurse?

Es gibt einige politische Unruheherde, deren Wirkung auf die Unternehmen schwer einzuschätzen ist. Die Krise in Russland hat einige Unternehmen hart getroffen, die Kämpfe im Jemen und die Atomverhandlungen mit dem Iran bewegen den Ölpreis. Nach wie vor ist Griechenlands Zukunft ungeklärt und damit auch ein Austritt aus der Währungsunion nicht ausgeschlossen. Die größte Unbekannte heißt aber Fed: Die US-Notenbank will die Zinsen erhöhen und würde damit wohl einen Kapitalstrom Richtung Nordamerika in Gang setzen. Das könnte vor allem die Schwellenländer schwächen. Außerdem fiele es der EZB schwerer, ihre börsenfreund­liche Geldpolitik fortzusetzen.

05.04.2015
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