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Deutschland / Welt Lufthansa expandiert
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19:48 06.01.2009
Die Fluggesellschaften suchen ihr Heil im Wachstum: Die Lufthansa expandiert nach Süden. Quelle: Jens Schlueter (ddp)
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Ihre Hauptaufgabe ist es derzeit, sich mit Übernahmeangeboten und Neuordnungsplänen zu befassen.
Am Ende des Jahres, so schätzt der Branchenverband IATA, werde die Luftfahrtindustrie völlig anders aussehen als an Silvester 2008. Der Konsolidierungsprozess werde sich in diesem Jahr deutlich beschleunigen, meinen Experten. Wie groß der Passagierrückgang ausfallen wird, ist schwer abzuschätzen. Doch dürften vor allem die großen Linienfluggesellschaften davon betroffen sein, während Billig- und Charterflieger auf ein stabiles Geschäft hoffen.

Langfristig sei der Aufwärtstrend allerdings intakt, betonen Branchenvertreter. Daher seien auch die Auftragsbücher bei den Flugzeugherstellern nach wie vor gut gefüllt. Allein die am stärksten wachsende arabische Fluggesellschaft Emirates hat Bestellungen für 244 Maschinen im Gesamtwert von 60 Milliarden Dollar aufgegeben. Man sehe keinen Grund, daran etwas zu ändern, erklärt Emirates-Manager Andrew Parker. Auch Branchenexperten rechnen damit, dass der Abbau von Überkapazitäten nicht durch den Verzicht auf Neubestellungen, sondern vor allem durch Übernahmen und Fusionen vor sich gehen wird.

In Europa liefern sich vor allem die Lufthansa und Air France-KLM ein Kopf-an-Kopf-Rennen, der langjährige Branchenprimus British Airways gerät ins Hintertreffen. Die Lufthansa hat sich nach der erfolgreichen Integration der Swiss nun auch die Zustimmung der Regierung in Wien zur Übernahme von Austrian Airlines gesichert. Auch die belgische Brussels Airline steht auf der Einkaufsliste, die Genehmigung der EU-Kommission steht aber noch aus. Ebenfalls in diesem Jahr wird die Lufthansa die Mehrheit von British Midland übernehmen – und hartnäckig halten sich auch Gerüchte über ein Interesse der Deutschen an der skandinavischen SAS.

In Italien liefern sich Air France-KLM und die Lufthansa einen Zweikampf um die Vorherrschaft bei der neu gegründeten Alitalia. Die Franzosen haben zu Jahresbeginn ihr Angebot von 250 auf über 300 Millionen Euro erhöht. Lufthansa hat mit der Gründung einer eigenen italienischen Tochter gekontert und ist zudem mit dem Alitalia-Konkurrenten Air One verbündet.

Ein von British Airways geplantes Dreierbündnis mit der australischen Qantas und der spanischen Iberia dagegen ist geplatzt. Zudem setzt der irische Billigflieger Ryanair den Briten immer stärker zu – und will mit der Übernahme der irischen Linienfluggesellschaft Air Lingus seine Position auf der Insel weiter ausbauen und eine Langstreckenflotte aufbauen. Bisher blockt die EU-Kommission diese Pläne noch, doch Ryanair-Chef Michael O’Leary lässt nicht locker.

In Deutschland arbeitet der Branchenzweite Air Berlin nach der LTU-Übernahme an neuen Projekten. Ein Zusammenschluss mit Condor scheiterte allerdings. Dem Vernehmen nach hat die arabische Fluggesellschaft Etihad ernstes Interesse an einer Beteiligung an den Berlinern. Investmentbanker suchen bereits nach Lösungswegen, die der Gesellschaft aus Abu Dhabi einen schnellen Zugang zum deutschen Markt bringen könnte. Das wäre ein Rückschlag für die Deutschland-Pläne des größeren Konkurrenten Emirates, der sich bisher vergeblich um Landerechte in Stuttgart und Berlin bemüht.

von Klaus Dieter Oehler