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Deutschland / Welt VW widersteht der Verlockung
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt VW widersteht der Verlockung
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21:40 06.11.2014
Foto: Volkswagen ließ ein Steuersparmodell ausarbeiten – dabei blieb es aber.
Volkswagen ließ ein Steuersparmodell ausarbeiten – dabei blieb es aber. Quelle: dpa
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Hannover

Nur noch ein Prozent Steuern – dieser Versuchung konnten offenbar auch deutsche Konzerne nicht widerstehen. Neben internationalen Größen wie PepsiCo, 
FedEx, Procter & Gamble, Amazon und Ikea haben auch hiesige Unternehmen vom Steuerschlupfloch Luxemburg profitieren wollen. Die Deutsche Bank, Fresenius Medical Care und 
e.on sind oder waren mit dabei – und auch Volkswagen hat Unternehmensberater Möglichkeiten zum Steuernsparen zumindest sondieren lassen.

Luxemburg hat Konzernen bei der legalen Steuerflucht offenbar jahrelang den roten Teppich ausgerollt. Nach Recherchen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR und WDR soll es auch deutschen Unternehmen dadurch gelungen sein, auf ihre Gewinne nur noch ein Prozent Steuern zu zahlen. Belegt werde dies durch eine Auswertung von 28 .000 Seiten geheimer Dokumente.

Demzufolge haben Luxemburger Behörden komplexe Finanzstrukturen genehmigt, die das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) im Auftrag der Unternehmen entwickelt habe. Den Recherchen zufolge haben sich die Unternehmen verschiedener Tricks bedient – die Pointe war allerdings immer die gleiche: Mittels einer Luxemburger Niederlassung gelang es, hohe Steuerbelastungen zu umgehen.

Der Energiekonzern e.on etwa hat nach Angaben des NDR in Luxemburg eine Art firmeneigene Bank eingerichtet: eine Tochtergesellschaft, die hohe Summen an e.on-Geschäftsteile in den USA oder Großbritannien verliehen hat. Diese zahlten das Geld zurück – plus Zinsen. So habe e.on im Großherzogtum große Barreserven ansammeln können, die nahezu komplett am Finanzamt vorbeigeflossen seien. Eine ähnliche Struktur nutzte Fresenius Medical Care: Der Konzern sparte so nach eigenen Angaben rund eine Million Euro Steuern pro Jahr.

Auch Volkswagen hat die Berater von PwC in Luxemburg offenbar ein Steuersparmodell sondieren lassen. Ein entsprechendes Schreiben stammt aus dem Jahr 2010 und steht im Zusammenhang mit der Übernahme des niederländischen Flottenmanagement-Spezialisten Leaseplan. Doch daraus wurde nichts. „Es war niemals konkret geplant, den Sitz der Leaseplan NV nach Luxemburg zu verlegen“, sagte ein VW-Sprecher. „Dies ist auch bis zum heutigen Zeitpunkt nicht geschehen.“ Überlegungen zur Restrukturierung seien „im Volkswagen-Konzern regelmäßig nicht steuerlich motiviert“, hieß es.

Die luxemburgische Regierung hält die Steuerpraktiken für rechtmäßig, räumt aber ein politisches Problem durch günstige Steuervereinbarungen mit internationalen Konzernen ein. „Luxemburg hält sich an nationale Gesetze und internationale Gesetze“, sagte Regierungschef Xavier Bettel. Nach Angaben der Deutschen Steuergewerkschaft entgehen dem deutschen Staat „durch diese von Luxemburg organisierte Steuerflucht pro Jahr mindestens 10 Milliarden Euro“.

Von Matthias Sobolewski 
und Jens Heitmann

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