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Deutschland / Welt MAN bremst Erwartungen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt MAN bremst Erwartungen
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07:59 15.02.2012
Von Stefan Winter
Der LKW-Bauer MAN bremst Erwartungen. Quelle: dpa (Symbolbild)
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München/Hannover

In Europa – dem größten Markt des Lkw- und Maschinenbauers – stagniere der Verkauf von Nutzfahrzeugen, und im bisherigen Boommarkt Brasilien gehe die Nachfrage zurück, sagte Finanzchef Frank Lutz in München. MAN rechne deshalb mit etwas weniger Gesamtumsatz und einem niedrigeren Betriebsgewinn als im vergangenen Jahr – vorausgesetzt, die Schuldenkrise in Europa verschärft sich nicht.

Die Konkurrenten Scania und Volvo haben die Produktion bereits gedrosselt, MAN spüre von einer Wirtschaftskrise allerdings noch nichts, sagte Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen. Der Auftragseingang im Januar war „auf stabilem, hohem Niveau, vergleichbar 2011“. Die Münchener bleiben dennoch vorsichtig, zumal sie drei Viertel ihres Geschäfts mit Nutzfahrzeugen erzielen. Dort werde der Umsatz in diesem Jahr um bis zu 5 Prozent schrumpfen, sagte Lutz. In der Sparte „Power Engineering“, wo das Geschäft mit Großmotoren und Antriebstechnik etwa für Schiffe und Kraftwerke zusammengefasst ist, sollen die Erlöse um bis zu 5 Prozent anziehen.

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Im abgelaufenen Jahr steigerte der Konzern den Umsatz um 12 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis schoss um 43 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro nach oben. Der Gewinn nach Steuern brach allerdings um zwei Drittel auf 247 Millionen Euro ein. Hauptgrund war die Einigung im Streit um den Anlagenbauer und Projektentwickler Ferrostaal.

Trotz des schwierigen Umfelds schmiedet Pachta-Reyhofen Wachstumspläne. Bis 2020 soll MAN führender Lkw-Hersteller in der Welt sein. Dabei geht es aber weniger um Stückzahlen, denn hier liegt Mercedes dank seiner US-Präsenz weit vorn. Es gehe um profitables Wachstum und um Faktoren wie Kundenorientierung und Servicequalität, hieß es. Dank einer neuen leichten Baureihe für die Schwellenländer, die derzeit entwickelt wird, der neuen Marke Sitrak in China und eines stärkeren Engagements in Indien sollen aber auch die Stückzahlen deutlich steigen.

Die Zusammenarbeit mit Scania komme voran, sagte Pachta-Reyhofen, ohne Details zu nennen. Beide Lkw-Hersteller gehören inzwischen mehrheitlich dem VW-Konzern. Gemeinsame Teams hätten die Arbeit aufgenommen, um Sparpotenziale sowie den Umfang gemeinsamer Forschung und Entwicklung auszuloten. Wann die Gruppen konkrete Ergebnisse liefern werden, ließ der MAN-Chef allerdings offen.

Seit VW mit seinem Übernahmeangebot eine 56-Prozent-Beteiligung bei MAN erreicht hat, können die beiden Lkw-Bauer ohne kartellrechtliche Bedenken zusammenarbeiten. Das sei aber wohl noch nicht der letzte Schritt, erklärte Nord/LB-Autoexperte Frank Schwope. Er ist überzeugt, dass VW seine Beteiligung auf mindestens 75 Prozent aufstocken werde, um einen Beherrschungsvertrag mit den Münchenern abschließen zu können.

Mit Irene Preisinger