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Deutschland / Welt MAN leitet interne Sonderprüfung ein
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt MAN leitet interne Sonderprüfung ein
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19:18 06.05.2009
MAN-Nutzfahrzeuge-Werk in München Quelle: Joerg Koch/ddp
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Ziel der Untersuchung sei es, zur vollständigen Aufklärung des Verdachts beizutragen und ein mögliches Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter offenzulegen, teilte der Konzern am Mittwoch in München mit. Der Münchener Oberstaatsanwalt Anton Winkler sagte, die Ermittlungen dauerten noch an. Die Antikorruptionsorganisation Transparency kritisierte, der Fall MAN belege ein weiterhin fehlendes Unrechtsbewusstsein in der Geschäftswelt.

MAN teilte mit, die Aufklärung liege auch im Interesse des Konzerns. Die Firma kooperiere eng mit der Staatsanwaltschaft. Diese wollte zunächst aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Angaben machen. Winkler betonte allerdings, die Durchsuchungen vom Dienstag dauerten teilweise noch an.

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Am Dienstag hatte die Staatsanwaltschaft bei einer bundesweiten Razzia die Büroräume der MAN-Nutzfahrzeugsparte, 39 Niederlassungen der MAN Truck & Bus Deutschland GmbH sowie drei Wohnungen von Beschuldigten durchsucht. Laut Behörden besteht der Verdacht, dass MAN mit verdeckten Provisionszahlungen den Absatz von Lkw und Bussen gefördert hat.

Bei der MAN Nutzfahrzeuge AG gab es nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ein System zur Förderung des Absatzes von Lkw und Bussen im gesamten Bundesgebiet. Der Vertrieb der Nutzfahrzeuge erfolge im Inland über die Niederlassungen der MAN Truck & Bus Deutschland GmbH. Dieses System habe es den Verkäufern in den Niederlassungen ermöglicht, „Provisionen“ an Personen zu zahlen, die bei den Kunden der MAN-Nutzfahrzeugsparte für den Einkauf der Lkw oder Busse verantwortlich waren. Mit den Bestechungszahlungen sei bezweckt worden, dass die Einkäufer für ihre jeweiligen Arbeitgeber Kauf- oder Leasingverträge mit der MAN Nutzfahrzeuge AG und nicht mit einem Mitbewerber abschlossen.

Transparency International kritisierte vor dem Hintergrund der Ermittlungen ein weiterhin fehlendes Unrechtsbewusstsein in der Geschäftswelt. Es zeige sich, dass alte Verhaltensweisen tief verwurzelt seien und sich das Unrechtsbewusstsein nur langsam entwickele, sagte die Vorsitzende von Transparency Deutschland, Sylvia Schenk. Der rechtlichen Veränderung folge vielerorts keine konsequente Umsetzung in die Praxis.

Die Ermittlungen bei MAN belegten allerdings, dass die Stärkung der Finanzbehörden Wirkung entfalte. Vize-Vorstand Peter von Blomberg betonte: „Die eingeleiteten Ermittlungen zeigen, dass Hinweise aus den Finanzbehörden ein weiterer wichtiger Mosaikstein bei der Entdeckung von unklaren Zahlungen sein können.“ Seit dem Verbot der Auslandsbestechung 1999 bestehe für Betriebsprüfer der Finanzbehörden die Verpflichtung, bei Verdacht auf Bestechungszahlung die Staatsanwaltschaft zu informieren, betonte Blomberg.

ddp