Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Manager von France Télécom muss nach Selbstmordserie gehen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Manager von France Télécom muss nach Selbstmordserie gehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 05.10.2009
Der stellvertretende Generaldirektor von France Télékom, Louis-Pierre Wenes. Quelle: afp
Anzeige

Der stellvertretende Generaldirektor Louis-Pierre Wenes werde durch den früheren Ministeriumsbeamten Stéphane Richard ersetzt, der 2011 ohnehin die Führung des Ex-Monopolisten übernehmen soll, teilte das Unternehmen am Montag mit. Es verlängerte zudem den wegen der Suizide geltenden Versetzungsstopp für Mitarbeiter bis Jahresende.

Bei France Télécom haben sich binnen 20 Monaten 24 Mitarbeiter das Leben genommen. Die Gewerkschaften machen für die Suizidserie den rasanten Umbau des Konzerns verantwortlich, der zahlreiche Versetzungen von Beschäftigten und Änderungen in der Arbeitsorganisation nach sich zieht. In Wenes, der für das Frankreich-Geschäft zuständig war und der als „Kostenkiller“ galt, sahen die Arbeitnehmervertreter den Hauptverantwortlichen für das verschlechterte Klima im Konzern, an dem der französische Staat noch knapp 27 Prozent hält.

Anzeige

Wenes ist ein Symbol“, hatte vor einigen Tagen die Gewerkschaft CFE-CGC erklärt. „Er war es, der das Management durch Terror eingeführt hat. Er muss weg.“ Nachdem sich vor einer Woche ein weiterer France-Télécom-Mitarbeiter durch einen Sprung von einer Autobahn-Brücke umgebracht hatte, verlangte auch die linke Opposition den Rückritt sowohl von Wenes als auch von Konzernchef Didier Lombard.

Während die Regierung sich hinter Lombard stellte, wurde Wenes nun offenbar sein wenig sensibler Umgang mit der Selbstmordserie zum Verhängnis. Es sei nur ein kleiner Teil der Mitarbeiter, die den Wandel der Unternehmenskultur beim Sprung von der traditionellen Télécom ins Internet-Zeitalter nicht verkrafteten, hatte er vor zwei Wochen gesagt. Den Gewerkschaften warf er vor, die Suizidserie in den Medien für ihre Zwecke auszunutzen.

Vor den vorangegangenen Selbstmorden hatte die France-Télécom-Führung noch darauf verwiesen, dass die Suizidrate im Konzern nicht höher liege als im französischen Durchschnitt. Dem nationalen Gesundheitsforschungsinstitut Inserm zufolge setzten 2007 im Schnitt 16,3 von 100.000 Franzosen ihrem Leben ein Ende. France Télécom hat in Frankreich 100.000 Beschäftigte und kommt rechnerisch auf 16 Selbstmorde pro Jahr.

Doch wie viele ehemalige Staatsunternehmen steht der Konzern, bei dem 65 Prozent der Beschäftigten noch Beamte sind, unter starker Beobachtung durch Politik, Medien und Gewerkschaften. Und tatsächlich hat der Umbruch angesichts wachsender Konkurrenz tiefe Spuren hinterlassen: Seit Beginn des Jahrzehntes verloren über 40. 000 Beschäftigte ihren Job, zehntausende wurden intern versetzt.

Der 60-jährige Wenes bleibt nun vorerst noch als Berater Lombards im Konzern, will aber „bald“ in den Ruhestand gehen. Mit seinem Nachfolger Richard besetzt der Staat den schwierigen Posten mit einem politischen Wirtschaftsfachmann. Der 48-jährige Richard war bis vor kurzem Kabinettschef von Wirtschaftsministerin Christine Lagarde und ist ein persönlicher Freund von Staatschef Nicolas Sarkozy. Schon seit Mai war ausgemacht, dass er nach dem Ende von Lombards Mandat neuer Chef von France Télécom wird.

afp