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Deutschland / Welt Mangold: „Die TUI AG mit neuem Leben erfüllen“
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Mangold: „Die TUI AG mit neuem Leben erfüllen“
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22:15 31.07.2012
Aufsichtsratschef Klaus Mangold. Quelle: dpa
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Hannover

Klaus Mangold steht seit Februar 2011 an der Spitze des TUI-Aufsichtsrates. Der 69-Jährige sitzt auch in den Kontrollgremien von e.on, Metro, Continental und Alstom, zudem ist er Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bank Rothschild – und gilt als bestens vernetzt. Das betrifft insbesondere Russland, wo er als Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft viele Kontakte geknüpft hat. Einen Rückschlag erlebte der frühere Daimler-Manager als Aufsichtsratschef des Mautkonsortiums Toll Collect. Wegen anfänglicher technischer Probleme und Verzögerungen musste er 2003 seinen Posten aufgeben.

Herr Mangold, Sie haben den Vertrag von Michael Frenzel als TUI-Chef erst im letzten Jahr verlängert. Nun muss er früher gehen als vereinbart. Warum?

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Für den Aufsichtsrat gab es zwei Möglichkeiten. Herr Frenzel hätte bis 2014 im Amt bleiben können, um die neue Konzernstruktur zu entwickeln. Dann  wäre es aber sehr schwer geworden, später einen gestandenen Manager zu finden, der einfach weitermacht, wenn alles schon entschieden ist. Deshalb haben wir diesen Weg gewählt.

Diese Ausgangslage gab es aber doch schon, als Sie Frenzels Vertrag verlängert haben?

Als wir den Vertrag verlängert haben, war ich gerade neu im Amt. Ich wollte es nicht riskieren, nach einem Jahr plötzlich ohne Vorstandschef dazustehen. Deshalb haben wir uns für diesen flexiblen Prozess entschieden – in den Herr Frenzel immer eingebunden war und den er sehr fair begleitet hat.

Hat der Druck vonseiten des Großaktionärs Alexej Mordaschow die Entscheidung noch einmal beschleunigt?

Nein. Aber jeder Aktionär hat ein Anrecht auf eine angemessene Dividende, auch Herr Mordaschow.

Zurzeit wird der Konzern von zwei Zentralen gesteuert – der TUI AG in Hannover und der britischen TochterTUI Travel in London. Die großen Aktionäre dringen auf eine neue Struktur ...

Wir sind alle der Meinung, dass der Status quo mit zwei Holdinggesellschaften nicht optimal ist. Der Mutterkonzern, also die TUI AG, hat abgesehen vom Hotel- und Kreuzfahrtgeschäft nur indirekten Einfluss auf das operative Veranstaltergeschäft. Sie muss aber ständig den Kopf hinhalten, wenn eine Aschewolke von einem Vulkan oder politische Unruhen das Geschäft behindern.

Können die Aktionäre die beiden Unternehmen nicht unterscheiden?

Die Aktionäre verstehen so ein Geschäftsmodell nicht. Und sie wollen nicht an einer Holding beteiligt sein: Die TUI-Aktie hat in den vergangenen fünf Jahren drei Viertel ihres Wertes verloren und sich viel schlechter entwickelt als die von TUI Travel. Es gibt eine Art Holdingdiscount – das kann so nicht bleiben.

Diese Erkenntnis ist nicht ganz neu. Bisher fehlte aber das nötige Geld, um den Systemfehler zu beheben. Was soll nun geschehen?

Zunächst ist es wichtig, dass die TUI ihre verbleibenden Anteile an der Reederei Hapag-Lloyd gut verkaufen kann. Dann müssen wir sehen, was machbar ist.

Bisher wollte immer der Mutterkonzern TUI seine britische Tochter übernehmen. Mordaschow soll angeblich die umgekehrte Variante bevorzugen?

Das ist längst wieder vom Tisch. Der Aufsichtsrat hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, um das zu prüfen. Diese Variante hat sich als nicht sinnvoll erwiesen.

Mitglieder aus dem Aufsichtsrat hatten den Eindruck, dass Sie sich für ein solches Modell erwärmen können. Überhaupt wirft man Ihnen eine übergroße Nähe zu Mordaschow vor ...

Also: Die TUI hat mit Herrn Mordaschow und Herrn Fredriksen zwei herausragende Aktionäre – ich habe die klare Verpflichtung, beide dem Konzern wohlgesonnen zu machen. Sie müssen verstehen, was wir tun, und sie müssen unsere Strategie mittragen. Das Schlimmste für die TUI wäre doch, wenn sich die beiden Großaktionäre zum Schaden des Unternehmens zusammentun!

Diese Gefahr bestand?

Nein.

Mit anderen Worten: Die TUI-Mitarbeiter am Standort Hannover müssen sich keine Sorgen machen?

Nein. Wir wollen die TUI AG mit neuem Leben erfüllen – und wir wollen das von Hannover aus tun. Unser Ziel ist es, unter der Führung der TUI AG ein starkes Tourismusgeschäft aufzubauen. Die TUI muss dividendenfähig werden, das ist das oberste Ziel. Sie können die Aktionäre nicht bis zum Sankt-NimmerleinsTag vertrösten.

Dieses Ziel wollen Sie mit Friedrich Joussen erreichen – einem Manager, der 24 Jahre lang in einem Telekommunikationskonzern verbracht hat. Wäre Branchenkenntnis nicht von Vorteil?

Erfahrung in der Touristik war für uns nicht das wichtigste Kriterium. Wir wollten einen Manager mit internationaler Erfahrung gewinnen, insbesondere im angelsächsischen Umfeld. Und er sollte schon einmal gezeigt haben, dass er zwei Unternehmen erfolgreich zusammenführen kann. Jeder neue TUI-Chef muss sich schließlich an seinem Vorgänger messen lassen – und zeigen, dass er in die großen Schuhe von Herrn Frenzel schlüpfen kann.

Interview: Jens Heitmann

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