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Mann wird von seiner Postbank für tot erklärt – zum zweiten Mal

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17:04 19.07.2019
Hans -Juergen Oeter wurde zweimal von der Postbank tot gesagt. Quelle: Rüdiger Böhme
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Brandenburg

Es ist ein Horror, den man nicht einmal erleben möchte. Schon gar nicht zweimal: Konto, Karten, PINs gesperrt, Rücklastschriften von Überweisungen, auch der Dispo ist auf Null gesetzt – die eigene Bank hat einen für tot erklärt.

Das ist jetzt Hans-Jürgen Oeter passiert. Sogar zweimal hintereinander. Anfang Juni war das private Konto bei der Postbank gelöscht worden, mit dem Vermerk „Tod des Kontoinhabers“.

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Persönliches Erscheinen als Nachweis

Oeter musste sich neue Telefon-PINs zuschicken lassen, das Konto entsperren lassen, sogar persönlich in der Filiale erscheinen, um nachzuweisen, dass er lebendig war. Insgesamt dauerte es 14 Tage, bis alles wieder in Ordnung war.

Im Dezember ist seine Ehefrau gestorben, Oeter ließ ihr Konto, auf das er vollen Zugriff hatte, noch eine Weile weiterlaufen, bis er es im Mai abmeldete. Daraufhin legte die Postbank nicht nur das Konto seiner Ehefrau lahm, sondern seines gleich mit. Es kostete den Mann viel Mühe, alles wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

Immer wieder mit dem Tod der Ehefrau konfrontiert

Am 12. Juli war plötzlich der Zugang zu seinem zweiten, dem Business-Konto gesperrt, alle Zugangsdaten funktionierten nicht mehr. Wieder rief er bei der Hotline des Kreditinstitutes an, wollte wissen, wie es zu der neuerlichen Panne gekommen sei. Sie sei nicht verpflichtet, über Bank-Interna Auskunft zu geben, soll die Dame am Telefon dem aufgebrachten Mann beschieden haben.

„Ich fühlte mich meiner Identität beraubt. Zudem hatte ich bereits drei Rücklastschriften nebst Gebühren auf dem Konto“, schildert er seine Bedrängnis. Hinzu komme, dass bei dem ganzen Theater er immer wieder überraschend mit dem Tod seiner Frau konfrontiert worden sei. „Das kommt in dem Zusammenhang immer wieder hoch, wenn ich plötzlich an den Verlust erinnert werde.“

Drei Entschuldigungsbriefe

Seit Donnerstag ist auch das zweite Konto wieder hergestellt, versichert Postbank-Sprecherin Iris Laduch. „Wir können uns nur entschuldigen und erklären, was passiert ist.“ Drei Entschuldigungsbriefe hat das Institut mittlerweile an Oeter geschickt. „Wir haben im ersten Fall Rentenrückforderungen von der Rentenstelle bekommen und wegen der Namensgleichheit irrtümlich das falsche Konto gesperrt. Das war ein Fehler, der sich dann dupliziert hat. Es tut uns unendlich leid, auch im Zusammenhang mit dem Verlust der Frau durch ihren Tod.“

Hans-Juergen Oeter wurde zweimal von der Postbank tot gesagt und wehrt sich auch mit Flugblättern, die er vor der Postbankfiliale verteilte, dagegen. Quelle: Rüdiger Böhme

Die Briefe genügen Hans-Jürgen Oeter nicht als Erklärung für das Versagen der Bank. Vor der Postbank hat er sich hingestellt mit Schildern und Handzetteln, auf denen er bekundet, dass er noch lebt. Zudem weist er auf den Zetteln auf seine Erfahrungen hin. „Achtung, versichern Sie den Mitarbeitern hier in der Filiale, dass Sie weiterhin vorhaben, am Leben zu bleiben. Fragen Sie nach, ob Sie nicht irrtümlicherweise als Kontoinhaber für tot erklärt wurden“, schreibt er unter anderem.

Protest mit Handzetteln

Mit einer ähnlichen Aktion hatte er schon einmal Erfolg. Bei einem Telefonunternehmen ging es um die Vertragsverlängerung. Er sollte zehn Euro im Monat sparen können. Erst am Ende und nach Unterschrift soll der Berater gefragt haben, ob er noch ein kostenloses Sportpaket haben wolle. Nachdem Oeter eingewilligt hatte, merkte er nach Wochen, dass damit der Zehn-Euro-Vorteil hinfällig war.

Alle Interventionen nutzten nichts, der Berater beharrte darauf, dass der Kunde doch nicht mehr als vorher zahle. Also sei das Sportpaket kostenlos, so die krude Argumentation. Nachdem Oeter allerdings Handzettel vor dem Telefonladen verteilte und auf die Praktiken hinwies, zog ihn der Berater schnell wieder in die Filiale und machte den Vertrag rückgängig. Bei dem Telefonunternehmen ist er geblieben.

Wechsel der Bank

Bei der Postbank sieht der Fall anders aus. „Nicht jede Bank fängt mit ,Post-’ an. Ich werde mich umschauen. Hurra, ich lebe“, steht auf dem Handzettel. „Wenn es nur einmal passiert wäre, dann hätte ich mit mir reden lassen. Aber ich muss doch damit rechnen, jederzeit wieder für tot erklärt zu werden.“ Inzwischen hat Oeter bereits Kontakte zur Sparkasse geknüpft.

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Von RND/MAZ/André Wirsing

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