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Deutschland / Welt Dramatische Wende in der Nacht
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00:15 30.11.2013
Foto: „Wir arbeiten nun an anderen Optionen“: Die Marke Max Bahr – hier der Baumarkt in Hannover-Wülfel – wird in wenigen Wochen Geschichte sein.
„Wir arbeiten nun an anderen Optionen“: Die Marke Max Bahr – hier der Baumarkt in Hannover-Wülfel – wird in wenigen Wochen Geschichte sein. Quelle: dpa
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Hamburg

Für 3600 Mitarbeiter des insolventen Unternehmens ist die letzte Hoffnung auf den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zerstoben. Sie müssen nun hoffen, dass andere Baumarkt-Betreiber in die Immobilien einziehen und das Personal wenigstens zum Teil übernehmen.

Für 20 bis 25 Häuser sei eine Lösung greifbar, hieß es im Umfeld der Royal Bank of Scotland (RBS), die die Hand auf 66 der Immobilien hat. Doch heute beginnt nun zunächst der Ausverkauf in den 73 Max-Bahr-Märkten. Noch am Dienstag hatte es so ausgesehen, als könnte der Verkauf von Max Bahr im zweiten Anlauf klappen. Der Termin beim Notar stand bereits, der Vertrag mit Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder über den Erwerb der Marke und des Warenbestands lag vor. 58 Max-Bahr-Märkte mit bis zu 3000 Mitarbeitern wollte Globus Verhandlungskreisen zufolge unter der angestammten Marke weiter betreiben.

Die Saarländer hatten sich mit der RBS zwar – ebenso wie vorher der Dortmunder Rivale Hellweg – nicht auf einen Mietvertrag für die Baumärkte einigen können. Doch ein Verkauf der Häuser versprach die Lösung zu bringen. Die Baumärkte werden von dem Hamburger Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann verwaltet. Er wickelt den Immobilienfonds Moor Park ab, der die Häuser 2007 für fast 800 Millionen Euro gekauft hatte und 2012 pleiteging. Größter Gläubiger von Moor Park ist die RBS. Rund 450 Millionen Euro habe Globus für das Paket geboten, heißt es. Damit wäre die Bank ohne weitere Verluste aus dem Engagement herausgekommen. Doch zumindest für eine Übergangszeit hätte Globus als Mieter einziehen müssen. Daran sei die Einigung gescheitert, erklärten Moor Park und die RBS. Brinkmann warf Globus vor, die Saarländer hätten die Mieten drastisch drücken wollen. Im Umfeld von Globus hieß es dagegen, die RBS habe ein falsches Spiel gespielt. Sie habe einen Abbruch provoziert, weil sie auf ein höheres Angebot für die Immobilien spekuliere. „Das Angebot von Globus steht immer noch“, sagte ein Insider.

Brinkmann teilte mit, die Verhandlungen für einen Teil der Häuser mit einem anderen, „renommierten“ Baumarkt-Betreiber stünden kurz vor dem Abschluss. Verhandlungskreisen zufolge geht es dabei um 20 bis 25 Häuser, deren Kauf bis zum heutigen Donnerstag notariell beglaubigt werden sollte. „Wir arbeiten nun mit Hochdruck an anderen Optionen und sind sehr zuversichtlich, dass wir einige in Kürze umsetzen können“, erklärte die RBS.

Max Bahr war mit dem Baumarktkonzern Praktiker in die Pleite gerissen worden. Die vor allem im Norden Deutschlands vertretene Kette war 2007 von der Gründer-Familie Möhrle an die börsennotierte Praktiker AG verkauft worden – die Immobilien hatte Praktiker aber nicht mit übernommen. Mit dem Aus für Max Bahr verschwindet der letzte Teil von Praktiker in Deutschland. In rund 230 Praktiker-Märkten läuft längst der Ausverkauf.

Mehr als 200 Betroffene in der Region

Die Pleite von Praktiker und Max Bahr betrifft in der Region Hannover mehr als 200 Beschäftigte. Die beiden Praktiker-Märkte in Altwarmbüchen und Garbsen befinden sich im Ausverkauf, die Beschäftigten haben ihre Kündigung bereits erhalten. Eine Nachnutzung der Immobilie sei nicht in Sicht, hieß es bei der Gewerkschaft ver.di.

Nun droht den beiden Max-Bahr-Märkten an der Vahrenwalder und der Hildesheimer Straße in Hannover ein ähnliches Schicksal. Auch sie gehören dem insolventen Immobilienfonds Moor Park und damit de facto dessen Großgläubiger RBS. Dass die hannoverschen Häuser zu denen zählen, für die sich andere Baumarktketten interessieren könnten, wird bei ver.di bezweifelt.

„Der Markt Hannover ist heute schon dicht besetzt“, sagte ein Gewerkschafter. Im Stadtgebiet gebe es bereits mehrere besonders große Baumärkte. Das bedeutet, dass den mehr als 100 Max-Bahr-Beschäftigten ein ähnliches Schicksal drohen könnte wie ihren Kollegen von Praktiker.  lr

Von Alexander Hübner und Jan Schwartz

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