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Deutschland / Welt Mehr Kapital für Europas Banken
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07:37 11.10.2011
Von Michael Grüter
Dexia-Chef Pierre Mariani (links) und der Aufsichtsratsvorsitzende Jean-Luc Dehaene bekommen ihr Institut allein nicht mehr flott. Quelle: dpa
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Berlin

Es gebe keine frischen Zahlen, erklärte am Montag ein Sprecher des Finanzministeriums. Man wolle sich auf Zahlen der Europäische Banken Aufsicht (EBA) stützen, die an einer aktuellen Übersicht der Risikopositionen systemrelevanter Geldinstitute arbeite. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt den Rekapitalisierungsbedarf des europäischen Bankensystems auf 100 bis 200 Milliarden Euro, wie der Direktor der IWF-Europaabteilung, Antonio Borges, in der vergangenen Woche erläutert hatte.

Nach einer Übersicht der Schweizer Großbank UBS beliefen sich die Nettoforderungen europäischer Banken gegenüber Griechenland im Juni 2011 auf 92,5 Milliarden Euro unter Berücksichtigung von Staatsanleihen, Derivaten und Krediten. Mit 45,9 Milliarden Euro hatten sechs griechische Banken davon den Löwenanteil in ihren Büchern stehen. Allein die NBG hielt Wertpapiere über 19,4 Milliarden Euro, die von einem griechischen Schuldenschnitt betroffen wären. Eine griechische Staatspleite würde das dortige Bankensystem im Kern treffen. Bereits am Dienstag haben griechische Firmen kaum Chancen, Geld für Investitionen zu beschaffen.

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Größere Sorgen aber bereiten den Politikern in Europas Hauptstädten die Folgen einer griechischen Insolvenz für das französische Bankensystem. Mit 9,4 Milliarden Euro stand der griechische Staat bei den vier großen Geldinstituten des Landes im Sommer in der Kreide, wovon auf die BNP Paribas 5 Milliarden entfielen, auf die Société Générale 2,5 Milliarden Euro, auf die Banques Populaires Caisses d´Épargne 1,2 Milliarden und auf die Crédit Agricole 0,6 Milliarden Euro.

Als weiterer Risikofaktor fällt bei Frankreichs Banken ihr Engagement bei griechischen Geldhäusern ins Gewicht. So ist die Crédit Agricole an der Bank of Greece beteiligt, und die Société Générale hält eine Mehrheitsbeteiligung an der griechischen Bank Geniki.

Die Nettoposition des deutschen Bankensektors gegenüber Griechenland wird in der Übersicht auf 7,9 Milliarden Euro beziffert, wobei die Commerzbank mit 2,9 Milliarden Euro, die Landesbank Baden-Württemberg mit 1,4 Milliarden und die Postbank sowie die DZ Bank mit jeweils 1,2 Milliarden Euro im Risiko standen. Der Rest verteilte sich auf die Deutsche Bank (0,4 Milliarden) und vier Landesbanken (Bayern LB, HSH Nordbank, Nord/LB und LB Hessen).

Mit Forderungen über 4 Milliarden beziehungsweise 3,2 Milliarden Euro sind auch belgische und niederländische Bankinstitute in Griechenland engagiert. Italienische Geldhäuser verfügten im Sommer über griechische Anleihen im Wert von 1,2 Milliarden Euro.

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe auf diesem Gebiet eine „völlige Neuausrichtung ihrer Politik vorgenommen“, hob der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider am Montag hervor. Vor einem Jahr habe sich die Koalition entschieden, die Banken nicht erneut zu stützen, sondern im Ernstfall abzuwickeln. Jetzt würden neue Milliardenbeträge mobilisiert, deren Notwendigkeit bis zuletzt bestritten worden sei. So lasse sich nur schwer öffentliche Akzeptanz gewinnen, erklärte der SPD-Politiker.