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Deutschland / Welt Ein Schlupfloch für Silberkäufer
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Ein Schlupfloch für Silberkäufer
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11:49 16.12.2013
Von Albrecht Scheuermann
Begehrt: Silbermünzen. Quelle: dpa
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Hannover

Silbermünzen sind derzeit bei vielen Edelmetallhändlern Mangelware. Ein wesentlicher Grund: Zum Jahreswechsel steigt die Mehrwertsteuer von 7 auf 19 Prozent, viele wollen sich jetzt noch den alten Steuersatz sichern. Allerdings gibt es gar keinen Grund für Panikkäufe: Ein Schlupfloch namens Differenzbesteuerung sorgt dafür, dass auch im nächsten Jahr die Steuer auf Silbermünzen oft kaum höher ausfällt.
Silber gilt als interessante Alternative zu Gold. Es ist zwar nicht so selten und damit auch billiger als das edlere Metall, verspricht aber auch interessante Wertzuwächse. Experten verweisen darauf, dass Silber im Gegensatz zu Gold zum großen Teil von der Industrie gekauft und tatsächlich verbraucht wird. Da die Bestände endlich sind, droht auf lange Sicht eine Verknappung. Private Anleger können das Edelmetall als Barren kaufen oder in Form von Münzen. Es gibt sie zum Beispiel in der Stückelung von einer Unze (31,1 Gramm), aber auch als mächtige Kilo-Münzbarren.

Große Nachfrage

Für die silbernen Rundlinge gilt anders als für die Silberbarren bislang statt des normalen Mehrwertsteuersatzes von 19 Prozent ein ermäßigter Aufschlag von 7 Prozent. Die im Sommer beschlossene Gesetzesänderung wird mit europäischem Recht begründet.

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Viele Münzsammler in Deutschland sind dadurch aufgeschreckt worden und versuchen jetzt noch zum ermäßigtem Steuersatz ihre Schatullen zu füllen. Zu der großen Nachfrage trägt auch die Preisentwicklung bei: Das Metall hat sich seit Ende August von fast 25 Dollar auf etwa 20 Dollar je Unze verbilligt. Vor einem Jahr lag der Preis noch bei mehr als 32 Dollar und im April 2011 wurden sogar fast 50 Dollar bezahlt.

Die kommende Mehrwertsteuererhöhung muss jedoch gar nicht zu einer Verteuerung der Münzen führen. Tim Schieferstein, Geschäftsführer der Solit Edelmetall Handelsgesellschaft in Wiesbaden, weist auf einen Ausweg hin: „Die Händler können die sogenannte Differenzbesteuerung anwenden, um die Besteuerung fast auf dem Niveau der ursprünglichen sieben Prozent zu halten.“

Die höhere Mehrwertsteuer gilt nämlich laut Schieferstein nicht für Münzen und Münzbarren, die von außerhalb der EU importiert werden. „Bekannte Beispiele sind der Maple Leaf aus Kanada, Koala aus Australien sowie American Eagle aus den USA.“ Für diese Importe gilt weiter der ermäßigte Einfuhrumsatzsteuersatz von 7 Prozent. Werden diese Münzen in Deutschland vom Händler weiterverkauft, muss er die 19 Prozent Mehrwertsteuer nur auf seine Marge, also die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis berechnen. „Dadurch erhöht sich der Kaufpreis für einen Privatanleger nicht um ganze zwölf Prozentpunkte, sondern aufgrund der geringen Handelsmargen bei Edelmetallen um voraussichtlich weniger als ein Prozent“, erklärt Schieferstein.

Allerdings muss der Händler gegenüber dem Finanzamt erklären, dass er die Differenzbesteuerung anwendet und ist dann für zwei Kalenderjahre an diese Erklärung gebunden. Es wird wohl eine Weile dauern, bis sich die Möglichkeit der Differenzbesteuerung für Import-Münzen überall herumgesprochen hat. Deshalb erwartet Schieferstein, dass es Anfang des Jahres steuerbedingt zu gewissen Preiserhöhungen kommt. Im weiteren Jahresverlauf dürfte sich dies jedoch wieder normalisieren. Die Nachfrage nach Münzen europäischer Herkunft dürfte jedoch zurückgehen, da für sie die Differenzbesteuerung nicht gilt.

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