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Deutschland / Welt Metaller bereiten Warnstreiks vor
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Metaller bereiten Warnstreiks vor
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20:56 24.04.2012
Von Lars Ruzic
„Zumutung“: Mitarbeiter der Telekom demonstrierten am Dienstag in Düsseldorf vergeblich für ihre Forderungen. Quelle: dpa
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Hannover

Hannover/Frankfurt. Die Tarifkonflikte in mehreren Branchen verschärfen sich. Die Chemieindustrie kommt mit ihren Verhandlungen nicht voran, bei der Deutschen Telekom stehen sie vor dem Scheitern, Bankangestellte begannen am Dienstag mit Warnstreiks, und in der Metall- und Elektroindustrie ist es auch so weit: „Die Arbeitgeber brauchen offenbar das Signal, dass ihr bisheriges Vorgehen keine Art und Weise ist“, sagte der Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft, Detlef Wetzel, dieser Zeitung am Dienstag auf der Hannover Messe. Erste Aktionen gab es am Dienstag in Sachsen-Anhalt. Niedersachsen dürfte nach dem Ende der Friedenspflicht am Wochenende folgen.

Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Lohn, eine unbefristete Übernahme aller Ausgebildeten und erweiterte Mitspracherechte der Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitgeberseite hat 3 Prozent mehr Lohn angeboten und verbindet das mit einer Gegenforderung: Die Quote der Beschäftigten, die bis zu 40 Stunden in der Woche arbeiten dürfen, soll angehoben werden - in Niedersachsen von derzeit 18 auf 30 Prozent der Gesamtbelegschaft.

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Diese Forderung und das Desinteresse an Übernahme und Leiharbeit „betrachte ich als sehr belastend für die weitere Tarifrunde“, sagte Wetzel. Die drei Kernforderungen der Metaller könnten nicht gegeneinander ausgespielt werden: „Wir werden die Verhandlungen nicht beenden, bis wir nicht in allen Punkten ein ordentliches Ergebnis hinbekommen haben.“

Bei der Leiharbeit wollten sich die Unternehmer offenbar nicht hineinregieren lassen. „Die fühlen sich immer noch als Herr im Haus. Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagte Wetzel. Bei den anstehenden Warnstreiks würden die Belegschaften deutlich machen, dass eine Teilung der Mannschaft in Beschäftigte erster und zweiter Klasse nicht allein ein Thema für die Leiharbeiter sei. Der IG-Metall-Vize machte auch deutlich, dass sich die Aktionen schnell spürbar ausweiten könnten. „Wir wollen schließlich bis zur Sommerpause fertig werden“, sagte Wetzel. Die nächste Verhandlungsrunde in Niedersachsen ist für den 9. Mai anberaumt. Einen Tag zuvor beginnen die Gespräche über den Haustarif bei Volkswagen, wo die IG Metall ebenfalls 6,5 Prozent mehr fordert. Damit betrifft die Tarifrunde in Niedersachsen gut 180.000 Beschäftigte.

Deutsche Telekom: Im Streit um Lohnerhöhungen für 50.000 der Telekom-Angestellten in Deutschland hat ver.di am Dienstag das Angebot des Konzerns als „Zumutung“ ausgeschlagen. Die Tarifkommission solle in der nächsten Woche das Scheitern der Verhandlungen erklären. Die Telekom bietet eine zweistufige Erhöhung von 2,1 Prozent im Juli und um 1,4 Prozent im Mai 2013 sowie eine Einmalzahlung von 365 Euro. Der Tarifvertrag solle bis zum 31. Juli 2013 laufen. Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent bei zwölf Monaten Laufzeit.

Chemie: Die Tarifverhandlungen für die 44.000 Beschäftigten der chemischen Industrie in Ostdeutschland sind in Schönefeld bei Berlin ohne Ergebnis vertagt worden. Am 7. Mai soll in Hannover weiter verhandelt werden, dann allerdings für alle bundesweit rund 550.000 Beschäftigten. Die Gewerkschaft fordert einheitlich 6 Prozent mehr Geld.

Banken: Bei den Banken sind die Warnstreiks mit einer Aktion bei der Commerzbank in Dortmund angelaufen. ver.di fordert 6Prozent mehr Lohn für die 220000 Beschäftigten bei Großbanken, Privatbanken, Landesbanken und freien Sparkassen. Die Arbeitgeber haben kein Angebot vorgelegt.