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Deutschland / Welt Metaller schließen Krisenpakt
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Metaller schließen Krisenpakt
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22:55 18.02.2010
Von Mathias Philipp
Der Tarifabschluss der Metallindustrie soll auch die Arbeitsplätze dieser Eisengießer in einem Freiberger Betrieb sichern. Quelle: ap
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Das in der Nacht zum Donnerstag ausgehandelte Paket dürfte nach den Beschlüssen in den anderen Tarifbezirken in den kommenden Tagen Gültigkeit für die gesamte deutsche Metall- und Elektroindustrie mit ihren 3,4 Millionen Beschäftigten erhalten. Beide Seiten zeigten sich zufrieden. So nannte NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt die schnelle und konfliktfreie Einigung gegenüber dieser Zeitung ein „Gütesiegel für den Standort Deutschland“. Er lobte die „Verantwortungspartnerschaft der Tarifparteien für Betriebe und Beschäftigte“.

Der Tarifvertrag gilt bis Mitte 2012 und dürfte für viele Arbeitnehmer in der krisengeschüttelten Branche mit vorübergehenden Einkommenseinbußen einhergehen. Die wichtigsten Elemente:

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l Kurzarbeit: Betriebe, die bereits zwölf Monate Kurzarbeit hinter sich haben, können Urlaubs- und Weihnachtsgeld jetzt auf die Monatsgehälter verteilen und in die Kurzarbeitsberechnung einbeziehen, also entsprechend dem Arbeitsausfall kürzen. Während dieser Phase darf der Betrieb den Kurzarbeitern nicht kündigen.

l Arbeitszeitverkürzung: Hat ein Betrieb über den Ablauf der gesetzlichen Kurzarbeit hinaus Probleme, kann die Wochenarbeitszeit für maximal ein Jahr um bis zu neun Stunden gesenkt werden. Die Arbeitnehmer erhalten nur einen Teillohnausgleich, aber eine Beschäftigungsgarantie.

l Lohn: Die Tarifgehälter werden erst zum 1. April 2011 um 2,7 Prozent erhöht, vorher gibt es im Mai und Dezember Einmalzahlungen von je 160 Euro.

Erstmals war die IG Metall ohne konkrete Lohnforderung in die Verhandlungen gegangen und hatte auf jede Drohgebärde verzichtet. Der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine nannte dies eine „absolute Ausnahme“ – der schnelle Abschluss sei „der Krise geschuldet und unserer Verantwortung für die Beschäftigten“. Für sie stehe die Sicherheit des Arbeitsplatzes an erster Stelle.

Gewerkschaft und Arbeitgeber würdigten das konstruktive Verhalten der jeweils anderen Seite. „Der Kurs der Arbeitgeber ist bei Weitem nicht so aggressiv wie in der Krise des Jahres 1993“, sagte Meine. Damals hätten viele Unternehmen „rigoros Leute rausgeschmissen“ und Lohnsenkungen gefordert. Auch angesichts des drohenden Fachkräftemangels seien sie heute klug genug, sich anders zu verhalten. Meine warnte aber: „Wenn jetzt noch ein Arbeitgeber die Stirn hat, Leute rauszuschmeißen, hat er ein Legitimationsproblem – und kriegt mächtig Ärger.“