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Deutschland / Welt Microsoft kauft Skype für 8,5 Milliarden Dollar
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Microsoft kauft Skype für 8,5 Milliarden Dollar
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20:41 10.05.2011
Ein Handschlag besiegelt das Milliardengeschäft: Microsoft-Chef Steve Ballmer (links) begrüßt seinen neuen Mitarbeiter Tony Bates, den bisherigen Skype-Chef. Quelle: dpa
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Für einen Rekordpreis von 8,5 Milliarden Dollar kauft Microsoft den Internettelefondienst Skype. Mit der am Dienstag überraschend bekannt gegebenen Übernahme schlägt der weltgrößte Softwarehersteller Facebook und Google aus dem Rennen, die offenbar ebenfalls Interesse an Skype hatten.

Es ist die größte Übernahme in der 36-jährigen Firmengeschichte des Windows-Herstellers. Angesichts rückläufiger PC-Verkäufe investiert der Konzern seit Längerem außerhalb seines Kerngeschäfts in Internetaktivitäten, um sich eine Scheibe vom Markt für Smartphones und Tablet-Computer abzuschneiden. Telekommunikationsexperte Axel Freyberg vom Beratungsunternehmen A. T. Kearney in Düsseldorf vermutet hinter dem Schritt aber noch mehr: Microsoft gehe es weniger um Technik und neue Angebote, sagt Freyberg. Der Konzern kaufe sich gezielt in die große Nutzergemeinde von Skype ein. „Microsoft will sich ein eigenes soziales Netzwerk aufbauen“, sagt Freyberg. „Skype ist ein wichtiger Baustein dafür.“

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Vom reinen Softwarehersteller wandelt sich Microsoft damit immer weiter zum Internetunternehmen und will nun nicht nur in Konkurrenz zu Apple und Google, sondern auch zu Facebook und Twitter treten. Skype bringt Microsoft nicht nur neue Kunden und Kommunikationsangebote, sondern auch ein Standbein im lukrativen Geschäft mit Videokonferenzen. In Zeiten, in denen Unternehmen bei Geschäftsreisen sparen, wird der Austausch über den Bildschirm wichtiger. Skype könnte mit dem Microsoft-E-Mail-Programm Outlook kombiniert werden.

Microsoft teilte mit, auf die Transaktion hätten sich die Führungsspitzen beider Unternehmen bereits geeinigt. Skype soll demnach eine neue Geschäftseinheit im Konzern werden. Der bisherige Skype-Chef Tony Bates wird an die Spitze einer neuen Microsoft-Sparte rücken und direkt Konzernchef Steve Ballmer unterstellt sein – ein deutlicher Hinweis auf die Bedeutung, die der Softwarekonzern seinem Zukauf beimisst.

Der von Bill Gates gegründete Konzern war nicht der einzige, der Interesse an der früheren Ebay-Tochter Skype angemeldet hatte. Branchenkreisen zufolge hatten auch Facebook und Google die bisher im Besitz von Finanzinvestoren befindliche Firma ins Visier genommen. Bisher war der Kaufpreis auf maximal 4 Milliarden Dollar geschätzt worden. Einige Experten halten diesen für eine erst 2003 gegründete Firma für sehr hoch, zumal Skype 2010 immer noch in den roten Zahlen hing. Microsofts prall gefüllte Kasse von rund 50 Milliarden Dollar wird der Kauf allerdings nicht bedeutend schmälern.

Microsoft steht deutlich im Schatten von Apple. Zuletzt lief der von Steve Jobs mitgegründete Konzern Microsoft auch den Rang als wertvollstes Technologieunternehmen ab. Anleger bemängeln bei Microsoft seit längerem fehlende Visionen. Skype hatte 2010 mehr als 500 Millionen registrierte Nutzer, die mit dem Dienst zumeist kostenlos rund um den Globus telefonierten. Davon griffen 145 Millionen monatlich auf den Service zurück, nur 8,1 Millionen Kunden zahlten dafür. Im vergangenen Jahr machte der Konzern bei einem Umsatz von 860 Millionen Dollar einen Verlust von 7 Millionen Dollar.

Deutsche Telekommunikationsanbieter scheinen inzwischen mit Skype ihren Frieden gemacht zu haben. Das Unternehmen sei zwar einst als „Outlaw“ aufgetreten, heißt es bei der Deutscher Telekom, um mit kostenlosen Angeboten zu zeigen, dass die Zukunft im Internet spielt. Seit aber Flatrates im Festnetz und Mobilfunk üblich sind, fallen die Umsatzverluste durch die Internettelefonie im Minutengeschäft der Netzbetreiber nicht mehr so ins Gewicht. Hierzulande nutzen laut Branchenverband Bitkom 11,2 Millionen Menschen regelmäßig Internettelefondienste wie Skype. Das ist ein Anstieg von fast 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Nadia Damouni und Helmuth Klausing