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Deutschland / Welt Weil baut Brücke für Piëch
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Weil baut Brücke für Piëch
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22:41 27.04.2015
Stephan Weil (links) hielt im Konflikt an Martin Winterkorn fest. Quelle: dpa
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Hannover

Während im Konzern mit Kandidaten aus dem Kreis der Familien Piëch und Porsche gerechnet wird, bringt Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wieder die Lösung ins Spiel, die Piëch mit seinem Angriff auf Konzernchef Martin Winterkorn verhindern wollte: „Jetzt wäre es an der Zeit, dass Martin Winterkorn den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt und in der Geschäftsführung ein Generationswechsel stattfindet“, sagte Hocker.

Vorerst steht an der Spitze des Aufsichtsrats allerdings ein Gewerkschafter: Der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber wird in der nächsten Woche Aufsichtsratssitzung und Hauptversammlung leiten. Er ist, dem Mitbestimmungsgesetz entsprechend, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats. „Er hat dabei die ausdrückliche Unterstützung der Anteilseigner“, hatte Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) erklärt. Der Konzern und seine Beschäftigten  hätten unter der bis Sonnabend unklaren Lage gelitten, sagte Weil gestern der HAZ. „Diese Unsicherheit, die für die Belegschaft wie auch das Management schwer erträglich war, musste aufgehoben werden, es war eine Situation, in der man sich gegenseitig blockierte.“

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Die niedersächsischen Standorte müssten sich auch angesichts der neuen Lage keine Sorgen machen, betonte er. „VW läuft sehr erfolgreich, das gilt für die in der letzten Zeit noch weiter gestärkten niedersächsischen Standorte mit 120 000 Direktbeschäftigten. Die indirekte Beschäftigung beträgt noch einmal mindestens das Doppelte.“ Strategische Veränderungen des Konzerns seien „laufende Entwicklungen, ein fließender Prozess“. Alles, was da zu besprechen sei, werde man in Ruhe intern beraten und nicht öffentlich erörtern. Weil betonte, er habe die Entwicklung der vergangenen zwei Wochen sehr bedauert. Er hätte gern mit Ferdinand Piëch weitergearbeitetund hoffe, dass die Spekulationen über VW nun erst einmal beendet seien. „Ich konnte nur staunen, wer sich da alles zu Wort gemeldet hat, mit zum Teil abenteuerlichen Vermutungen, die anschließend auch grandios wiederlegt worden sind.“

Zur Frage, ob er hoffe, dass Piëch seinen Aktienanteil behält, sagte Weil, es sei Sache jedes Aktionärs, selbst zu entscheiden, was er mit seinen Anteilen mache. Da habe er keinerlei Kommentierung abzugeben. „Ganz generell  darf ich mir wünschen, dass nach einer gewissen Zeit Ferdinand Piëch dem Unternehmen wieder mit seinem Rat zur Verfügung steht.“ Bei der gegenwärtigen Eigentümerstruktur gebe es keinen Veränderungsbedarf.

Seit Piëchs Rückzug wird spekuliert, ob er auch seine Unternehmensbeteiligung verkaufen wird – in den Querelen der vergangenen Tage soll er damit gedroht haben. Ihm gehören rund 13 Prozent der stimmberechtigten Aktien an der Familienholding Porsche SE. Sie wiederum kontrolliert 51 Prozent der stimmberechtigten VW-Aktien. Piëchs Porsche-Anteile haben derzeit einen Wert von knapp 1,8 Milliarden Euro.

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