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Deutschland / Welt Mobilfunkbranche im Goldrausch
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Mobilfunkbranche im Goldrausch
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20:52 15.02.2010
Samsungs Vizechef Thomas Richter stellt das neue Modell „Wave“ vor. Die große Ähnlichkeit mit dem erfolgreichen iPhone von Apple ist sicher kein Zufall. Quelle: dpa
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Es geht um Milliarden neue Kunden und die künftige Geschäftsgrundlage. Der Goldrausch hat alle erfasst. So schloss sich Nokia, der weltgrößte Handyhersteller, mit dem führenden Chiphersteller Intel zusammen, um eine Softwareplattform zu gründen. Der Softwarekonzern Adobe versammelte in Barcelona große Mobilfunkpartner hinter seiner Programmierplattform „Air“. Und eine Allianz großer Mobilfunkanbieter gründete die „Wholesale Applications Community“ – als Gegenentwurf zum „iTunes Store“ von Apple.

Nokia und Intel entwickeln unter dem Namen Meego eine Plattform, auf der alle Geräte vom Smartphone bis zum Fernsehapparat, vom Autoradio bis zur Musikanlage laufen können. Die Botschaft: Eine Lösung für alles, keine Konkurrenz wird gebraucht. Die beiden Industrieriesen versuchen damit aber auch einen Befreiungsschlag. Zuletzt haben Branchenexperten Nokia im Schatten des Rivalen Apple mit seinem iPhone gesehen. Auch Intel bekam im Smartphone-Markt bisher kaum einen Fuß auf den Boden, weil die Chips des Weltmarktführers als zu stromhungrig gelten.

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Nokia weiß, dass sich eine starke Marktposition in wenigen Jahren in Luft auflösen kann. Zwar führt Nokias Symbian-Betriebssystem den Markt noch mit einem Anteil von 47 Prozent an. Doch erst ein paar Jahre ist es her, da hielt Symbian noch dominierende zwei Drittel. Es war Apples iPhone, das den Damm zum Massenmarkt brach, mit seiner einfachen Bedienungsführung und dem „iTunes App Store“, in dem Entwickler ihre Programme für das Handy anbieten können. Das Handy wurde damit vom Telefon zum Minicomputer.

Samsung, die Nummer zwei im Handymarkt, versucht es in Barcelona mit einem eigenen Betriebssystem: Bada – koreanisch für Ozean. Der südkoreanische Handyhersteller will mit seinen Smartphones den Massenmarkt erobern. Google gewinnt mit der Industrieallianz um das Betriebssystem Android immer schneller Marktanteile. Gute Karten hat Android unter anderem durch die Vormachtstellung von Google bei Internetsuche und -werbung. In Barcelona zeigte sich Branchenexperte Michael Garten skeptisch, ob neue Plattformen wie Bada und Meego langfristig überleben werden. „Im Markt ist Platz für drei, vielleicht vier verschiedene Plattformen – und nicht mehr.“ Über mobile Datendienste wie Internet auf dem Handy redet die Branche schon seit Jahren. Doch jetzt steht der Markt tatsächlich vor einem explosionsartigen Wachstum. 2009 war jedes siebte verkaufte Handy ein Smartphone, in diesem Jahr dürfte es mindestens jedes vierte sein. 2013 soll der Marktanteil bereits bei 40 Prozent liegen.

Um die Kehrseite des Booms werden sich die Mobilfunkbetreiber kümmern müssen. Die riesige Datenmenge bringt die Netzkapazitäten manchmal schon heute an ihre Grenzen. Die Antwort ist der UMTS-Nachfolgestandard LTE (Long Term Evolution). Erste LTE-Netze werden gerade getestet, der kommerzielle Start der Dienste steht in den kommenden Jahren an, wird aber wieder hohe Investitionen erfordern.

dpa