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Deutschland / Welt NGG spricht von Skandal bei Berentzen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt NGG spricht von Skandal bei Berentzen
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18:37 09.01.2009
Mitarbeiter des Schnapsbrenners Berentzen müssen sich mit geringen Abfindungen begnügen. Quelle: Harald Koch
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Nur 25 Prozent vom Bruttomonatsgehalt habe der Betriebsrat mit dem Management ausgehandelt, sagte Peter Buddenberg von der Gewerkschaft NGG Region Osnabrück am Donnerstag dieser Zeitung. Üblich seien 50 Prozent.

Ein Skandal aber ist nach Ansicht der NGG, dass die entlassenen Mitarbeiter die Hälfte dieser „mageren Abfindung“ in die geplante Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft einbringen sollen. „Damit finanzieren sich die gekündigten Beschäftigten ihren Wechsel in die Transfergesellschaft quasi selbst“, erklärte Buddenberg. Dies sei „in höchstem Maße ungewöhnlich und ungerecht“.

Der neue Vorstandschef Stefan Blaschak wollte dazu keine Stellung nehmen. Er war im Herbst von dem Finanzinvestor Aurelius zum kriselnden Spirituosenhersteller entsandt worden, um die Nachfolge von Axel Dahm anzutreten, der zu Gerolsteiner gewechselt war. Im Sommer hatte die Münchener Industrieholding von den Eignerfamilien 75,1 Prozent der Stammaktien der Berentzen-Gruppe übernommen und somit die 250 Jahre alte Familientradition beendet.

Seitdem greift Aurelius hart durch, um Berentzen in dem unter Absatzschwund leidenden Spirituosenmarkt wieder auf Kurs zu bringen. Dazu gehört auch die Verlagerung der Produktion ins Werk Minden. In Haselünne sollen nur die Verwaltung, die Sparte Vivaris für alkoholfreie Getränke und der „Berentzen-Hof“ mit insgesamt 300 Beschäftigten bleiben.

Die NGG bedauert, dass sie bei Berentzen „keine breite Basis“ habe. Man hätte härter verhandeln können, sagte Buddenberg. Dem Betriebsrat wirft die NGG einen „Schmusekurs“ mit dem Management vor. Er habe gegen gesetzliche Pflichten verstoßen, weil er den Beschäftigten keine Einsicht in den Sozialplan verschafft habe. Dazu habe man erst das Personalbüro „erstürmen“ müssen.

Immerhin hat die NGG laut Buddenberg jetzt eine „Sprinterprämie“ durchgesetzt. Diese bekommen Mitarbeiter, die in die Transfergesellschaft wechseln und sie vor Ablauf der Frist von zwölf Monaten verlassen, weil sie einen neuen Job gefunden haben. Sie bekommen einen Teil der eingebrachten Abfindung zurück. Am 19. Januar hat die NGG mit dem Kolpingbezirksverband Meppen zu einem Solidaritätsmarsch in Haselünne für die gekündigten Mitarbeiter aufgerufen.

von Carola Böse-Fischer

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