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Deutschland / Welt Nach KNV-Insolvenz bangen Verlage um ihr Geld
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14:59 24.02.2019
Der Firmensitz des Buch- und Mediengroßhandelunternehmens Koch, Neff & Volckmar GmbH (KNV) in Stuttgart. Die KNV-Gruppe mit gut 1900 Mitarbeitern hat Insolvenz angemeldet. Quelle: Marijan Murat/dpa
Berlin

Wenn Bücher schon einen Tag nach der Bestellung im Laden sind, steckt meist Koch, Neff & Volckmar (KNV) dahinter. Der größte deutsche Buchlogistiker ist das Scharnier zwischen Verlagen und Händlern. Doch jetzt droht das System zu stocken, denn KNV mit Sitz in Stuttgart hat vor einigen Tagen Insolvenz angemeldet und so eine ganze Branche in Aufruhr versetzt. 6000 Buchhandlungen und 5000 Verlage sind auf das KNV-Logistikzentrum in Erfurt angewiesen.

So genannte Barsortimenter kaufen Verlagen Bücher ab und lagern sie zwischen. 590 000 Titel vertreibt die KNV-Gruppe nach eigenen Angaben auf diese Art. Bis 1829 reichen die KNV-Wurzeln zurück, 1700 Angestellte hat das Unternehmen.

Verlage bangen um ihr Geld

Dass vorerst keine offenen Rechnungen mehr bedient werden, trifft einige in der Branche hart: Langfristige Zahlungsziele sind hier üblich, und so warten einige Verlage vergeblich, dass Rechnungen für Lieferungen aus dem Weihnachtsgeschäft beglichen werden. Auf bis zu 100 000 Euro offenen Forderungen seien einzelne Häuser sitzen geblieben, schreibt die Kurt Wolff Stiftung, die sich der Förderung der Verlags- und Literaturszene verschrieben hat.

Vor allem kleinere Verlagen litten darunter, sagt Jörg Sundermeier, der zur Leitung des Berliner „Verbrecher Verlags“ gehört und um „einige Tausend Euro“ bangt. Unternehmer wie Sundermeier beliefern KNV derzeit nicht mehr mit Büchern, „weil wir keine hundertprozentige Sicherheit haben, dass das bezahlt wird“. Halte die Situation noch länger an, „droht der halbe Buchmarkt ins Rutschen zu geraten“.

Bücher sind nicht mehr lieferbar

Zugleich wirbelt die Insolvenz auch die komplizierte Buchlogistik durcheinander: So stoppte die KNV-Tochter Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft (LKG) die Belieferung des Buchhandels. Für einen Verlag wie „Ankerherz“ ein herber Schlag. Dessen prominenter Autor Dominik Bloh habe am selben Tag einen Fernsehauftritt gehabt – und am nächsten Morgen seien seine Bücher nicht über die LKG lieferbar gewesen, beklagte Ankerherz-Geschäftsführerin Julia Krücken daraufhin.

Mittlerweile entspannt sich die Lage etwas: „Inzwischen sind die Voraussetzungen dafür gegeben, dass die Lieferkette aufrechterhalten werden kann“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Buchhandelskunden hätten deshalb momentan keine Einschränkungen zu befürchten.

Wer könnte der Investor sein?

Ähnlich sehen es die Branchengrößen: Nach der Bestellung des Insolvenzverwalters Tobias Wahl liefere der zu Bertelsmann gehörende Buchauslieferer VVA wieder an KNV, sagte ein Sprecher. Bonnier habe die Lieferungen gar nicht erst eingestellt, berichtet Geschäftsführer Christian Schumacher-Gebler. Er betonte: „Wir glauben an den Fortbestand von KNV.“

Wie der gesichert werden soll, ist aber noch unklar. Kleinere Verlage und Buchhandlungen hatten notfalls auch staatliche Hilfen für KNV und andere Betroffene gefordert. Schließlich sei der Großhändler „systemrelevant“ hieß es – nicht zuletzt, weil die KNV-Gruppe auch Warenwirtschaftssysteme, Fortbildungen und andere Dienstleistungen für Händler und Verlage anbietet.

Das Logistikzentrum ist begehrt

Insolvenzverwalter Wahl ist auf der Suche nach einem Investor. Den glaubte KNV kurz vor der Insolvenz schon gefunden zu haben, doch der Deal zerschlug sich. Über den Zustand des Familienunternehmens wurde schon länger spekuliert, vor allem das 2014 eröffnete Logistikzentrum machte Probleme: Die Umstellung des Betriebs war kompliziert, die Investition hinterließ Verbindlichkeiten. Allerdings könnte das Logistikzentrum jetzt auch Interessenten außerhalb der Buchbranche anlocken. Denn über die Erfurter Rollbänder könnten außer Bücher auch andere Waren rauschen, um am nächsten Tag beim Kunden einzutreffen.

Lesen Sie auch: Buchhandelsketten Thalia und Mayersche fusionieren

Von Christoph Höland/RND

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