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Deutschland / Welt Der einzig Wahre
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07:48 28.03.2014
Von Stefan Winter
Foto: „Typ 2“, made in Kirchhundem, ist jetzt Europastandard.
„Typ 2“, made in Kirchhundem, ist jetzt Europastandard. Quelle: dpa
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Vor zehn Jahren hätte wohl niemand geglaubt, dass ein Stromstecker einmal zu einer Frage der Industriepolitik werden könnte. Doch das Elektroauto hat auch dies verändert. Die Frage des einheitlichen europäischen Ladesteckers war den Regierungen einen jahrelangen Streit wert, denn es ging um ein wertvolles Gut in Zeiten technologischer Umbrüche: die Norm. Wer eine technische Norm setzt, das haben die Deutschen gelegentlich auch schon bitter erfahren, hat beträchtliche Vorteile bei allen Geschäften rund um diese Schlüsselstelle.

So sprach ein EU-Diplomat am Donnerstag von einem Erfolg für die deutsche Industriepolitik, nachdem man sich auf den einzig wahren E-Auto-Ladestecker der Europäischen Union geeinigt hatte: Der „Typ-2-Stecker“, gern auch nach seiner Herstellerfirma „Mennekes-Stecker“ genannt, soll es sein.

Der Mittelständler aus dem nordrhein-westfälischen Ort Kirchhundem hatte seine Eigenentwicklung bereits 2009 vorgestellt. Das Familienunternehmen galt eigentlich stets als Favorit, früh einigten sich Autoindustrie und Energieversorger auf das System der Sauerländer.
Doch auch andere wollten Industriepolitik machen, die Franzosen vorneweg. „Die Gallier leisten erheblichen Widerstand“, stöhnte ein Normungsexperte einmal, und man weiß, mit welcher Hingabe sie das tun. Mennekes verzichtete sogar auf Patentrechte, um seinem System zum Durchbruch zu verhelfen.

Zum Beispiel bringt „Typ 2“ nicht nur Strom zur Batterie, sondern kann ihn von dort auch zurück ins Netz befördern und außerdem Daten zur Abrechnung transportieren. Das ist die Voraussetzung, wenn Elektroautos, wie es Technikern vorschwebt, als mobile Stromspeicher fungieren sollen: Zu Zeiten hoher Stromerzeugung wird geladen, bei Bedarf kann der Autoakku aber auch Strom ans Netz abgeben.

Solche Möglichkeiten hat Mennekes bereits eingebaut, aber die Franzosen wollten mehr. Sie forderten zum Beispiel eine zusätzliche Verkleidung der Pole, eine Art Kindersicherung. Wer elektrische Anlagen französischer Mietshäuser kennt, wundert sich ein bisschen, aber die Franzosen brachten eine eigene Technologie ins Spiel.

Doch jetzt hat der Poker ein Ende. Die Unterhändler von Europaparlament, EU-Kommission und Regierungen haben „Typ 2“ zum europäischen Standard erklärt. Ob er es auch noch zum Weltstandard bringt, ist allerdings offen, in China und den USA wurden ebenfalls Systeme entwickelt.

Die Europapolitiker haben auch Vorgaben für die Infrastruktur beschlossen. Danach sollen bis Ende 2020 so viele Ladestationen für Elektroautos zur Verfügung gestellt werden, dass diese „zumindest“ in Städten und stadtnahen Gebieten fahren können. In Deutschland sollte es allerdings etwas schneller gehen, denn nach den Plänen der Bundesregierung und der Industrie sollen hier 2020 bereits eine Million E-Autos unterwegs sein.

Die Steckerfrage behindert den Siegeszug nun nicht mehr, das Problem verlagert sich einige Meter nach hinten, ans andere Ende des Kabels: Wer baut, betreibt und beliefert die Ladestationen? Kanzlerin Angela Merkel hat die Energiekonzerne zwar in die „Nationale Plattform Elektromobilität“ eingebunden, doch die Investitionen sind hoch und profitable Geschäftsmodelle weit entfernt – die Begeisterung der Energieriesen halte sich in engen Grenzen, heißt es in der Autobranche.

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