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Deutschland / Welt Neue Ängste drücken Rendite auf Rekordtief
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Welt Neue Ängste drücken Rendite auf Rekordtief
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14:36 03.05.2012
Von Albrecht Scheuermann
Am Finanzmarkt verlässt man sich in der Krise auf die deutschen Bundesanleihen. Quelle: dpa
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Hannover

Der als wichtiges Marktbarometer geltende sogenannte Bund-Future kletterte am Mittwoch auf das Allzeithoch von 141,75 Punkten. Dadurch sank die Durchschnittsrendite der Bundesanleihen auf den niedrigsten jemals verzeichneten Wert. Nur noch 1,33 Prozent werfen die Papiere des Bundes im Schnitt ab. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es noch über 3 Prozent, vor fünf Jahren über 4 Prozent und vor zehn Jahren über 5 Prozent.

Bundesanleihen gelten – zumindest innerhalb der Euro-Zone – als der sichere Hafen für Geldanleger. Am Mittwoch hatten mehrere Wirtschaftsdaten die Furcht vor einer Verschlechterung der Wirtschaftslage genährt. So entwickelte sich der Arbeitsmarkt in Deutschland im April nicht so positiv wie erwartet. Auf die Stimmung drückte ebenfalls der Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone, der auf den niedrigsten Stand seit fast drei Jahren fiel.

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Auch die Sorgen über die Wirtschaftsentwicklung im Hochschuldenland Italien bekamen neue Nahrung: Dort sanken Stimmung und Auftragseingang in der Industrie viel stärker als befürchtet, zugleich kletterte die Arbeitslosenquote mit 9,8 Prozent auf den höchsten Stand seit acht Jahren. Zu allem Überfluss kamen am Nachmittag noch Daten aus den USA, die auf eine schwache Entwicklung des dortigen Arbeitsmarktes hindeuten.

Das Bündel von schlechten Nachrichten führte zu der schon sattsam bekannten Reaktion an den Märkten in Europa: Als sicher geltende Anlagen wie Bundesanleihen waren gefragt, als unsicher geltende Anlagen wie italienische Staatsanleihen, aber auch Aktien wurden abgestoßen.

Für große Unsicherheit sorgen die bevorstehenden Wahlen in Frankreich und in Griechenland. Sollte es in diesen Ländern zu einem politischen Wechsel kommen, dürften die Forderungen nach einer Abkehr vom Sparkurs lauter werden. Dies würde vor allem die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel unter Druck setzen, die den Fiskalpakt zur Verringerung der Staatsverschuldung in Europa durchsetzte. Sollte dieser jedoch wackeln, könnte die jüngst etwas eingedämmte Euro-Schuldenkrise neu an Brisanz gewinnen.

Für den deutschen Finanzminister und die Kassenwarte in den Bundesländern, Städten und Gemeinden hat die noch lange nicht erledigte Krise den angenehmen Effekt, dass sie zu bislang nicht gesehenen Niedrigstzinsen Kredit aufnehmen können. So ist der Anteil der Zinsen an den Gesamtausgaben im Bundeshaushalt in den vergangenen zehn Jahren von 16 Prozent auf 11 Prozent gesunken, er ist auch kaum höher als vor 20 Jahren mit 10 Prozent. Sogar in absoluten Zahlen hat sich die Zinsbelastung verringert. 2011 waren es 33 Milliarden Euro, zehn Jahre zuvor dagegen gut 39 Milliarden Euro.

Nutznießer der Schuldenkrise sind ebenso die privaten Bauherren in Deutschland. Die Hypothekenzinsen sind mit deutlich unter 3 Prozent für zehnjähriges Geld niedrig wie nie. Die Zeche zahlen die Sparer. Selbst für längerfristige Geldanlagen gleicht die Verzinsung heute kaum die Inflationsrate von zuletzt 2 Prozent aus – zumal von den Erträgen oft auch noch die Abgeltungsteuer von 25 Prozent abgezogen wird.